
Inhalt
Nachdem ein armer Schneider 7 Fliegen auf seinem Marmeladebrot erschlagen hatte, stickte er „Sieben auf einen Streich“ auf seinen Gürtel. Abenteuerlustig begab er sich auf Wanderschaft.
Nach geraumer Zeit musste er einige Prüfungen bestehen, um die Königstochter zur Frau und das halbe Königreich zu eigen zu bekommen. Er sollte zwei Riesen töten. Das macht er in Morkies Erzählung nicht. Er gewinnt die beiden zu loyalen Freunden. Das Einhorn, das er einfangen sollte, zähmt er, sodass es ihn freiwillig begleitet. Das gefährliche Wildschwein bändigt er nicht, indem er es einsperrt, sondern dafür sorgt, dass es ein eigenes Wildnisgebiet bekommt, wo es ungestört von Menschen leben kann.
Er löst mit Witz und Verstand statt mit Gewalt, Mord und Totschlag seine Aufgaben. Darüber hinaus hält er andere von ihrer Gewalt ab.
Wissenswertes
Märchentypen und -verzeichnisnummer
ATU 1640 (Das tapfere Schneiderlein), ATU 1060 (Wasser aus dem Stein pressen), ATU 1062 (Steinwerf-Wettkampf), ATU 1052 (Baumtrag-Wettbewerb), ATU 1051 (Das Biegen des Baumes), ATU 1115 (Versuch, den Helden im Bett zu töten), KHM 20
Entwicklungsgeschichte des Märchens
„Das Tapfere Schneiderlein“ zählt mit der Nummer KHM 20 zu den Klassikern der deutschen Kinder- und Hausmärchen. Die Brüder Grimm haben es nicht geschrieben, sondern es als typisches deutsches Volksmärchen in ihre Sammlung aufgenommen. Es ist ein sehr altes Literaturmärchen. Der Vorläufer ist ein Schwank von Martin Montanus aus dem 16. Jahrhundert.
Figurenkonstellation und Charakteristika
Schneider: Er entspricht dem Trickster. Er ist klein, schwach, in niederer sozialer Stellung und arm. Seine scheinbaren Mängel in einer gewalttätigen, am Reichtum orientierten Welt gleicht er mit Witz und Verstand aus. Er ist auch ein Hochstapler. Er wusste genau, dass alle, denen er begegnen würde, bei den 7, die er angeblich erschlagen hatte, nicht an Fliegen denken würden.
König: Er ist opportunistisch, ausbeuterisch, betrügerisch, ein dünkelhafter Despot.
Prinzessin: Die Prinzessin ist zunächst ein passives Objekt. Sie ist für ihren Vater der Preis für die Heldentaten des Schneiders. Für den Schneider ist sie das Mittel zum Zweck, sozial aufzusteigen. Sie ist hochmütig und hat genau wie ihr Vater Standesdünkel.
Symbole und ihre Wirkmacht im Originalmärchen
Einhorn: Es steht für Reinheit und unbändige, wilde Natur. Der Schneider besiegt es durch List. Es ist ein Sieg des Verstandes über die Naturkraft.
7 Fliegen: Sie sind lästiges Ungeziefer. Dass sie in den Fantasiewelten der Gegenüber des Schneiders zu Monstern, Riesen oder gefährlichen Wegelagerern werden, zeigt den Übergang von der Realität zum Märchen. Gerade die 7, die heilige Zahl der Vollkommenheit und universellen (göttlichen) Macht, mit ihnen in Verbindung zu bringen, führt vor, dass aus etwas Ekelhaftem etwas Großartiges werden kann.
Gürtel: Mit dem Gürtel erfindet sich der Schneider neu. Er erschafft sich seine frei erfundene Identität, in der er sich als stark und mutig inszeniert. Die Macht der Schriftlichkeit zeichnet ein Bild von ihm, dem seine natürliche Gestalt eindeutig widerspricht.
Kapelle: Der Schneider sperrt das Wildschwein in eine Kapelle. Sie steht für die Ordnung und die Zivilgesellschaft. Beide sollen das Wilde (individuelle Wildheit und natürliche Wildnis) bezwingen können.
Riesen: Sie sind nicht bewältigbare, übermächtig erscheinende Bedrohungen. Durch die Taktik des Befehls „teile und herrsche!“ gelingt es dem Schneider, dass die Feinde einander gegenseitig umbringen. Die Riesen stehen auch für die rohe menschliche Gewalt, die Einfalt und die Selbstüberschätzung.
Wildschwein: Wie in vielen Märchen verkörpert es den Wald und eine rohe, zerstörerische Gewalt darin. Er steht sowohl für alles Unbekannte als auch für das Unbewusste des eigenen Wesens.
Moderne Interpretationen: Film, Fernsehen
„The Brave Little Tailor“, 1938, Disney; Mickey Maus verkörpert den Schneider.
„Sechs auf einen Streich“, 2008, ARD
„Märchenperlen“, ZDF, Serie
Neugestaltungen des Klassikers auf der Bühne
2023, Raoul Biltgen, Dschungel Wien
Comic-Theater, Salzburg
2023, Burgfestspiele Reichenau
Literatur und Retellings
„Lehrbuch der Lebenskunst“, Éric Chevillard, Roman für Erwachsene
Sie können in den E-Books der Rubrik „Bibel Erleben“ die der Bibel wörtlich entnommenen Textpassagen ausführlich nachlesen. Zu den biblischen Ereignissen gibt es zahlreiche Interpretationen und Hintergrundinformationen.
Spiele, Quizfragen, Wettbewerbe, Entscheidungsbäume u. v. m. in den spielifizierten E-Books ermuntern die Kinder dazu, sich intensiver in die Bibel zu vertiefen.
Ab der Bestellung von 2 Vorstellungen eines Programms an einem Tag gibt es gratis ein E-Book zu dem ausgewählten Programm zur Vor- und Nachbearbeitung dazu.
Während der/die Erzähler/in wörtlich Bibelverse zitiert oder Kinder aus der Bibel vorlesen, schlüpfen diejenigen, die es gern möchten, in verschiedene Rollen. Sie spielen Elemente, Pflanzen, Tiere, Menschen, …


Die Kinder stellen Jesus, die Apostel und Johannes, den Täufer, dar. Sie bewegen die Wellen des Jordan, wo Johannes Jesus tauft, und den Heiligen Geist, der leicht wie eine Taube über Jesus kommt.
Der ehrliche und tiefe Glaube des Hauptmanns, den ein Kind spielt, bewirkt die Heilung seines Dieners. Kinder lassen den Gelähmten durch das Dach des Hauses hinab. Jesus vergibt ihm seine Sünden.


Der/die Erzähler/in spricht mit Gottes Stimme, dass er den Menschen eine Lebenszeit von 120 Jahren auf der Erde gewähren werde. Vor der Sintflut rettet der HERR Noah, seine Familie und viele Tiere. Die Kinder bauen die Arche.
Die gemeinsame Suche nach Problemlösungen in Gesprächen und das Miteinander im Erspielen der Situationen regen mehr zum Nachdenken an als passives Zuhören. Die Freude am Spiel in den Vorstellungen macht auf die spielifizierten E-Books neugierig. Damit schlagen wir zwar nicht sieben, aber drei Fliegen mit einer Klappe – die Kinder lernen bereits aktiv in den Vorstellungen / der/die Erzähler/in spricht ihre Neugier und Kreativität gezielt an / der Einsatz beliebter Medien (Smartphone, Tablet, Laptop) führt die Kinder durch das Lesen in die reichen Welten ihrer eigenen Fantasien.
Morkie-Märchen decken mit direkten oder Metabotschaften zahlreiche Inhalte der Lehrpläne für 3- bis 10-Jährige ab. Sie finden Themenbereiche von A–Z:
Achtsamkeit, Ängste, Arbeit, Astronomie, Bewegung, Beziehungen, Chemie, Deutschkenntnisse, Durchhaltevermögen, Elemente, Erlebnisse, Ernährung, Fähigkeiten, Farben, Fremderleben, Freundschaft, Frustration und ihre Bewältigung, Gefühle, Gemüse, Geografie, Gesundheit, Getränke, Handel, Hilfsbereitschaft, Hygiene, Instrumente, Jahreszeiten, Kommunikation, Konflikt(e) und ‑lösungen, Lehr‑ und Lernmethoden, Leichtsinn, Mitgefühl, Mut, Nachbarschaft, Nahrungsmittel, Not, Obst, Ozeane, Pflanzen, Physik, Quellen, Rechnen, Religion, Rücksichtnahme, Selbstbewusstsein, Spracherwerb, Sprechübungen, Tauschen, Tiere, Tod, Tradition, Trauer, Träume, Umwelt, Ungehorsam, Volksbräuche, Wahl des richtigen Ja oder Nein, Wissen, Wünsche, Xmas, Yoga, Zählen, Zähneputzen, Zeichnen, Ziele, Zusammenhalt
Unter „Gut zu wissen“ sind immer einige der genannten Themen den einzelnen Morkie-Märchen zugeordnet. Viele der Morkie-Märchen lassen sich individuell an die in Ihrer Gruppe gerade aktuellen Schwerpunkte anpassen. Morkie und Morkini erfüllen Ihre Wünsche sehr gern. Fragen Sie uns einfach!
Vertiefen Sie die Lern- und Erfahrungsinhalte Ihrer Gruppe mit unseren spielifizierten E-Books.
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Die eine oder andere Lebensgeschichte der hier ausgewählten Heiligen ist frei erfunden oder es sind die Erlebnisse mehrerer Personen zur Biografie einer einzigen verschmolzen. Es kommt auch vor, dass Dichtung und historisch belegte Wahrheit vermischt werden. Die 3. Gruppe heiliger Frauen und Männer ist ganz klar historisch nachgewiesen.
„Wissenswertes“ informiert darüber, zu welcher der 3 Gruppen ein/e Heilige/r gehört. Schaut, ob ihr wisst, ob die erzählten Ereignisse, z. B. von Nikolaus, Barbara oder Leopold, Dichtung oder Wahrheit sind.


Die bewundernswerten Menschen sind des Weiteren nach den Jahreszeiten in Herbst-, Winter-, Frühling- und Sommerheilige eingeteilt, abhängig davon, wann wir in Österreich ihre Gedenktage feiern. Wisst ihr, wann wir uns an die meisten der 10 Heiligen besonders erinnern?
Wer noch genauere Informationen bekommen möchte oder Spiele, Quizfragen, Wettbewerbe, das Sammeln von Punkten und Bonuspunkten sowie kleine Belohnungen in die Vor- und Nachbearbeitungen seiner Vorstellungen einbauen möchte, findet in unseren spielifizierten E-Books sehr viel spannendes Material.
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Gerade für diese Rubrik der Vorstellungen des morkie Kinder- & Erzähltheaters sind die spielifizierten E-Books zur Vor- und Nachbearbeitung der Vorstellungen besonders geeignet. Es gibt darin ausführliche Hintergrundinformationen zu den Entstehungsgeschichten der Märchen, zu ihrer reichen Symbolik und zu den Veränderungen in ihren Darbietungen im 21. Jahrhundert.
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Morkie hat die verbale und physische Gewalt dieser Märchen entschärft, soweit es machbar gewesen ist, ohne die Märchen ihres Kerns zu berauben. Dennoch sind sie erst ab dem Volksschulalter zu empfehlen. Sie haben zwar alle ein Happy End, doch spielen einige Szenen in düsterer Atmosphäre. Die Kinder sollten bereits in der Lage sein, Aufgaben – wie gefährliche Feinde zu bezwingen oder erschreckende Situationen zu bewältigen – mit Angst-Lustgefühlen genießen zu können.
Die Märchen sind durch dazu erfundene Szenen, neu erdachte Figuren, Verknüpfung mehrerer Varianten eines Märchens oder neue Lesarten an heutige Situationen und Fragen der Kinder angepasst.
Die mächtige Zauberin Ruwina ist keine böse Hexe. Sie gibt Prinz Iwein die Chance, Rapunzel wiederzufinden. Dafür muss er drei Aufgaben bewältigen. Rapunzel kann zaubern, widersetzt sich der Zauberin und ist durch magische Gedankensteine mit dem Prinzen in Fernverbindung. Mittels dieser beiden Märchen-Smartphones unterstützt sie Iwein mit klugen Ratschlägen.


Der böse Wolf ist eine alleinerziehende Mutter von 3 Welpen. Sie erwischt ihre Jungen beim vergnügten Spiel mit Rotkäppchen und verscheucht sie in die Wolfshöhle. Dort sollen sie auf Mama Wolf warten. Zuletzt ertrinkt die Wölfin nicht im Brunnen, weil der Jäger, Rotkäppchen und die Großmutter mit ihr und den Welpen Mitleid haben und sie aus dem Brunnen ziehen.
Aschenputtel ist in den morkie-Vorstellungen sehr selbständig. Sie kann reiten und Bogen schießen, wie in der tschechischen Variante „Aschenbrödel und die drei Haselnüsse“. Die gläsernen Schuhe und die Glaskutsche kommen in Walt Disneys „Cinderella“ vor. Die Täubchen helfen „Aschenputtel“ in der deutschen Fassung. Zehen und Fersen beider Stiefschwestern bleiben aber dran.



Inhalt
Zauselig Krauselig Wuselig ist ein sehr fremdartig aussehendes Kind, mit seinen bunten Wuschelhaaren und dem bunten Tuch, das es immer um sein linkes Knie trägt.
Es ist sehr viel allein und dann langweilt es sich. Es spielt Streiche, um auf sich aufmerksam zu machen. Es glaubt, auf diese Art Freunde finden zu können. Es ist zu schüchtern, um zu fragen, ob es mit den anderen Kindern mitspielen darf.
Alle Kinder zeigen Zauselig immer wieder, dass es andere Möglichkeiten gibt, als Leute zu verärgern. Doch Zauselig ist nie da, wenn sie extra für ihn etwas spielen. Zuletzt können die Kinder ihm aber doch beweisen, dass sie es gern haben und es zu ihnen gehört.
Gut zu wissen
Ausgewählte Themenbereiche der Lehrpläne für 3- bis 10-Jährige
Beziehungen
Fremderleben
Freundschaft
Frustration und ihre Bewältigung
Gefühle, Gemeinschaft
Kommunikation
Miteinander statt Gegeneinander

Inhalt
Alle feiern in unterschiedlichen Ländern Weihnachten.
Gut zu wissen
Ablauf und Mitmachen
Sie können sich aussuchen, welche zeitgenössischen Weihnachtsfeste Sie interessieren.
Allerdings spielen Morkie und Morkini nicht alle Gabenbringer Varianten. Wir feiern z. B. nicht mit Väterchen Frost. Der Grund: Morozko war ein extrem mächtiger, sehr ambivalenter Naturgeist. Er brachte Eis und Schnee, belohnte die Fleißigen und bestrafte die Faulen. Er ist das russische Pendant zu Frau Holle. Erst in den 1930-er Jahren wurde er in der UDSSR als absolut unreligiöse Alternative zum Weihnachtsmann etabliert. Es wird auch zum Jahreswechsel, nicht am 24., 25. Dezember oder 6. Jänner gefeiert.
Gern spielen wir aber das Weihnachtsfest der russisch-orthodoxen Kirche.
Sochelnik ist Heiligabend nach dem julianischen Kalender am 6. Jänner. Traditionell wird an diesem Tag streng gefastet, bis der erste Abendstern am Himmel zu sehen ist. Weihnachten ist ein rein religiöses Familienfest.
Meistens feiern Morkie und Morkini mit euch in Wien, Spanien, USA und Kenia.
Ausgewählte Themenbereiche der Lehrpläne für 3- bis 10-Jährige
Religion
Erlebnisse
Wünsche
Familie
Danke sagen
Volksbräuche
Fremderleben

Inhalt
Der/die Erzähler/in reist mit den Kindern durch die Zeit. Sie landen in Wien vor ca. 120 Jahren. Es ist Advent. Die Stadt und der Wiener Wald sind tief verschneit. Alle bereiten sich auf das Weihnachtsfest vor.
Was sind der Lüttenbaum oder das Adventfenster?
Wie sah damals der Christkindlmarkt Am Hof aus?
Gut zu wissen
Ablauf und Mitmachen
Alle können bei allen Aktionen mitmachen.
Ausgewählte Themenbereiche der Lehrpläne für 3- bis 10-Jährige
Jahreszeiten: Schnee im Herbst in Wien
Religion: Geburt Jesu Christi
Nachbarschaft: Kommunikation, treffen, plaudern, singen beim Adventfenster
Volksbräuche: Weihnachtskrippe, Christkindlmarkt, Kekse backen, Adventkranz
Fürsorge: um Tiere kümmern, Winterfütterung – Lüttenbaum – das Wort ist Plattdeutsch, der Brauch, einen kleinen Weihnachtsbaum im Wald für die Tiere zu schmücken, war auch in Wien und Umgebung beliebt.

Inhalt
Jeden Sonntag fahren Roberts Eltern mit ihm zur Omama in den Schrebergarten. Ihm ist dort immer fad. Omi Dita hat eines Tages die Idee, ihm einen Bereich des Gartens zu überlassen. Robert darf dort anbauen, was er gern möchte. Er hat keine Ahnung, was es überhaupt für Pflanzen gibt, wie man sie anbaut und pflegt. Seine Omi erklärt und zeigt es ihm. Nach und nach freut es Robert immer mehr, mit Omama im Garten zu arbeiten. Als er sieht, wie alles wächst, gedeiht und blüht, will er immer gern zur Oma in den Garten kommen. Nach einigen Jahren beschließt er, Gärtner werden zu wollen.
Gut zu wissen
Ablauf und Mitmachen
Alle Kinder stellen unterschiedlichste Pflanzen, Blumen, Sträucher, Bäume, Früchte und Wurzelgemüse, Salatköpfe und Kräuter dar. Sie sind dafür mit Riesenköpfen verkleidet. Sie gehorchen den Kommandos von Robert.
Ausgewählte Themenbereiche der Lehrpläne für 3- bis 10-Jährige
Jahreszeiten
Chemie: Pflanzenschutz und -düngung
Erlebnisse
Fertigkeiten: Pflanzen setzen und pflegen
Wissen: Nutzgärten und Schmuckgärten
Ziele: Berufspläne
Umwelt: Natur- und Kulturlandschaft

Inhalt
Der Augustclown Kugelbunt ist der Freund des Waldes. Gern kommt er zu den Bäumen und spricht mit ihnen. Der Weißclown Kunterrund ist Geschäftsmann und Bauherr. Er will in dem Wald, in dem Kugelbunt jede freie Minute verbringt, eine Fabrik bauen. Er hat schon seine Arbeiter geschickt, die Bäume gefällt und die Stämme aufgeschichtet haben.
Kugelbunt ist verzweifelt, als er das sieht. Er geht zu Kunterrund und spricht mit ihm, dass im Wald keine Fabrik errichtet werden solle, weil sie soviel zerstören würde. Doch Kunterrund will ihm nicht einmal zuhören. Kugelbunt berät mit den Kindern, was sie unternehmen könnten.
Sie beschließen, eine friedliche Demonstration zu veranstalten. Alle Kinder wandern vor Kunterrunds Haus. Doch er ignoriert sie. Kugelbunt macht einen letzten Versuch und trägt Kunterrund die Vorschläge der Kinder vor.
Was kann man statt der Fabrik bauen, das doch gutes Geld bringen, aber weniger Schaden anrichten wird?
Gut zu wissen
Ablauf und Mitmachen
Es wird sehr viel pantomimisch dargestellt, der Wald, das Holzfällen, das Ausheben der Baugrube. Der Protest, die Demonstration ist laut, aber sehr friedlich. Werdet ihr eine Waldschule errichten, oder doch etwas ganz Neues?
Ausgewählte Themenbereiche der Lehrpläne für 3- bis 10-Jährig
Vorstellungskraft
Körperbeherrschung
Nonverbale Darstellung
Legitime Mittel des Protestes
Wissen: vom Aussterben bedrohte Tierarten, die Ursachen der Bedrohung
Fähigkeiten: Zeichnen und Schreiben

Inhalt
Ein Kind, will nie schlafen gehen. Es hat Angst vor den Monstern unter seinem Bett. Dort lauern das Aufräummonster, das Zahnputzmonster und das Albtraummonster.
Der/die Erzähler/in zeigt ihm nicht, dass es sich die Monster nur einbildet, dass da gar niemand unter dem Bett ist, sondern bringt ihm zusammen mit den Kindern im Publikum bei, die Monster gut und freundlich zu behandeln. Das Kind lädt sie zu sich ein, räumt mit ihnen auf, lernt von ihnen, die Zähne zu putzen, und spielt mit ihnen HU-HU. Es tanzt mit jedem Monster und bewältigt so seine Angst vor ihnen.
Gut zu wissen
Ausgewählte Themenbereiche der Lehrpläne für 3- bis 10-Jährige
Hygiene: Zähneputzen
Chaos: Aufräumen, Ordnung halten
Schlafenszeit
Angstträume
Freundschaft schließen
Ernstnehmen: negative Gefühle bewältigen helfen, nicht ausreden

Inhalt
Der Esel IAA lebte auf einer schönen Wiese. Er hatte einen Baum, der ihn vor dem Regen schützte und ihm Schatten spendete, einen Bach, in dem frisches, sauberes Wasser floss, und genug Gras und gute Kräuter, dass er immer satt wurde. Eines Tages sprach ihn das sehr junge Kraut UII an und bat ihn, es nicht zu fressen. Der Esel versprach es ihm. Die beiden wurden Freunde, plauderten miteinander, trieben Morgengymnastik und lebten in Ruhe und Frieden.
Nach einiger Zeit brach eine große Dürre über das Land herein. Die Wiese und der Baum vertrockneten, der Bach führte keinen Tropfen Wasser mehr.
Um seinen Freund IAA zu retten, brachte UII ein großes Opfer. Zunächst trennte es die beiden Freunde voneinander. Hat UII mit Hilfe von Sonne und Mond dafür gesorgt, dass sie doch wieder zusammen kamen? Wer weiß? Findet es in der Vorstellung heraus!
Gut zu wissen
Ablauf und Mitmachen
Der/die Erzähler/in spielt IAA und UII. Die Kinder sind Blumen, Kräuter, der Baum, der Bach. Sie spielen die Sonne, die heiß herunter brennt. Sie verwandeln sich in der großen Dürre.
Der Bach wird immer schmaler, der Baum immer kahler, das Gras immer fahler.
Dann kommt der starke Regen. Die Rückverwandlung setzt ein. Bald sieht alles aus wie zu Beginn des Sommers. Aber es fehlt UII und IAA ist sehr traurig. Er hat den Unterschied zwischen allein und einsam kennengelernt.
Ausgewählte Themenbereiche der Lehrpläne für 3- bis 10-Jährige
Kreisläufe des Lebens
Natur, Elemente, Wasser
Jahreszeiten: Frühling, Sommer, Herbst
Freundschaft
Tod, Trauer
Einsamkeit
Ewigkeit

Inhalte
Hundert bunte Schmetterlinge leben im Reich der Fee Eintracht. Sie sorgt gut für ihre Schmetterlinge. Sie hat eine Zwillingsschwester, die Fee Zwietracht. Sie hat schon vor einigen 100 Jahren für einen großen Krieg zwischen den sonst friedlichen Schmetterlingen gesorgt. Damit das nie wieder geschehen soll, hat Eintracht sie im Düsterwald, unter der Aufsicht des Kobolds namens Muss nicht sein, eingesperrt. Eines Tages kann sie entkommen. Die Dinge nehmen ihren Lauf. Wie sie sich entwickeln, entscheiden die Kinder.
Gut zu wissen
Ablauf und Mitmachen
Alle Kinder sind Schmetterlinge, grüne, blaue, gelbe und rote. Sie bekommen zu Beginn der Vorstellung entsprechende Abzeichen. Sie agieren in diesen vier Gruppen, zunächst gemeinsam, beim großen Chorgesang, beim Tanz und beim Spiel. Sie entfernen sich unter dem Einfluss von Fee Zwietracht immer mehr voneinander, bis es erneut zum Kampf kommt. Welche Lösung werdet ihr finden?
Ausgewählte Themenbereiche der Lehrpläne für 3- bis 10-Jährige
Kenntnisse: Farbwissen
Fähigkeiten: Farben erkennen, zuordnen und sich merken
Yoga: Fünf Tibeter, der Morgengruß
Frustration: Eifersucht
Konflikte: Intrigen, Lügen, Machtkämpfe, einsam statt gemeinsam
Konfliktlösungen: Strafe, Gnade, Reintegration, Zusammenhalt

Inhalt
Der Märchenfinder Higgledy-Piggledy ist davon überzeugt, dass Märchen nicht er-, sondern gefunden werden. Man muss nur gut aufpassen und genau hinschauen. Deswegen hat er viele Dinge gesammelt, sie gut sortiert und in schönen Kistchen aufbewahrt. Alle haben ihm Geschichten erzählt. Er sucht und findet in den Wäldern und auf den Wiesen; früher, als er noch in der Stadt gelebt hat, auch dort. Higgledy traut sich schon lang nicht mehr in die Stadt. Sie ist zu laut, zu schmutzig und die Menschen sind zu garstig geworden.
Eines Tages begegnet er auf einer Wiese Mohnblume. Sie werden mit der Zeit Freunde. Higgledy trifft Mohnblume immer auf der Wiese. Er lädt sie eines Tages zu sich in seine Hütte im Wald ein. Dort zeigt er ihr, seine Schätze.
Eines Tages kam Mohnblume nicht. Das war sehr ungewöhnlich. Higgledy nahm seinen ganzen Mut zusammen und ging nach vielen Jahren wieder in die Stadt. Warum und wozu erfahrt ihr in der Vorstellung.
Gut zu wissen
Ausgewählte Themenbereiche der Lehrpläne für 3- bis 10-Jährige
Vorsicht, Angst, Mut, Überwindung
Freundschaft
Fürsorge
Arbeit: Finden – Auffinden, Befinden, Erfinden, Herausfinden, Vorfinden, …
Nachbarschaft

Inhalt
Die Lebensgeschichte der Wassermannfrau ist eine Trilogie. Die Vorstellung bringt eine Kurzfassung, eine Auswahl der 13 Episoden.
Die Mädchenjahre verbringt die Wassermannfrau im Teich und im Wald bei den Tieren des Wassers und des Landes.
Die junge Frau kehrt in das Wasser zurück und bleibt dort bis zur Lebensmitte. Sie bewegt sich in fließenden Gewässern, reißenden Strömen, im Meer bis in die Tiefsee. Dann kommt sie zu den Wesen der Luft.
Die alte Wassermannfrau, geht ihren Weg zurück ins Meer, durch den Strom, in einen kleinen Bach. Sie findet dort, was sie wirklich gesucht hat und macht ihren Frieden mit der Welt. Sie setzt den Weg trotzdem bis zur Quelle fort, um dort in die Erde einzusteigen und zum Erdkern zu gelangen. Darin wird sie aufgehen und ewig leben. Sie bringt der Macht des Feuers, das Gefühl des Wassers.
Wir kennen sie alle. Sie ist der kleine, blaue Punkt am Grunde jeder Kerzenflamme.
Gut zu wissen
Ablauf und Mitmachen
Es gibt zu dieser Vorstellung drei spielifizierte E-Books. Sie bringen alle Episoden. Jede/r Erzähler/in kann sich daraus ihre/seine Vorstellung beliebig zusammenstellen. Es ist gemeinsam mit „Der Kleine Fliegenpilz“ das verkleidungsreichste Morkie-Märchen.
Die von Morkie gewählte Zusammenfassung führt zum Höhepunkt der Begegnung der Wassermannfrau mit dem Fisch mit grauem Haar. Er bringt ihr die Liebe. Das war es, was sie wirklich gesucht hat. Das war es, was ihr lebenslang in unterschiedlichsten Formen begegnet ist. Sie hat es nicht erkannt. Sie suchte ein anderes Gesicht der Liebe. Das des Fisches mit dem grauen Haar. Keine Fragen, keine Bedingungen, kein Machtgefälle, kein Wenn und Aber. Einfach Sein und Sein Lassen. Miteinander – Füreinander – Zwei doch Eins.
Ausgewählte Themenbereiche der Lehrpläne für 3- bis 10-Jährige
Elemente: Wasser, Erde, Luft und Feuer mit ihren symbolischen Bedeutungen
Frustration und ihre Bewältigung
Freundschaft und Liebe, die lange Reise zu sich selbst und zu anderen
Kommunikation – Mit allen sprechen können?
Konflikte und deren Lösungen
Gewalt und Schutz
Quellen: Gewässer, Feuer, Wissen

Inhalt
Die Blumenelfen kümmern sich um alle Pflanzen. Sie sind friedlich, freundlich und gehen sorgsam mit ihren Schützlingen um.
Die Tierelfen, die Fli-Lau-Bas, sind für die Tiere verantwortlich. Sie spielen gern Streiche und machen viel Unsinn.
Die außergewöhnlichsten und seltensten sind die Überraschungselfen. Sie sind sehr scheu und leben tief verborgen im Wald. Sie bringen gute Nachrichten, frohe, manchmal auch traurige Botschaften und oft Geschenke. Sie tauchen immer überraschend auf. Sie müssen sehr plötzlich erscheinen können. Deswegen können sie am schnellsten von allen Elfen fliegen und sind sehr leicht und wendig. Dafür halten sie einen speziellen Ernährungsplan ein.
Eines Tages bekommen sie einen neuen Koch, einen Fli-Lau-Ba. Er beachtet den Ernährungsplan nicht. Das endet böse für die Elfen. Wissen die Kinder Rat?
Gut zu wissen
Ablauf und Mitmachen
Die Kinder spielen alle Elfen. Die Fli-Lau-Bas erfinden sie selbst. Sie bestehen immer aus 3 Tieren und können fliegen, laufen und schwimmen. Manche sagen zum Schwimmen auch Baden, daher heißen die Tierelfen Fli-Lau-Bas. Wenn das fliegende Tier, z. B. ein Papagei ist, das schwimmende ein Fisch und das laufende ein Hund, dann heißt der Fli-Lau-Ba „Pa-Fi-Hu“.
Die Kinder verwenden den Ernährungskreis und die Ernährungsampel, um den Überraschungselfen beizubringen, wie sie sich selbst um vernünftige Mahlzeiten kümmern können. Außerdem sind einige von ihnen auch Trainer, die den Elfen helfen, wieder fliegen zu lernen.
Ausgewählte Themenbereiche der Lehrpläne für 3- bis 10-Jährige
Bewegung: Gehen, Gymnastik, Sport, Fliegen
Ernährung: Ernährungskreis, Ernährungsampel – rote, gelbe, grüne Lebensmittel
Nahrungsmittel: Gemüse, Obst, Getränke, Süßigkeiten, Milch und -produkte etc.
Gesundheit: zu dick, zu dünn, kein Bodyshaming, sondern medizinisch notwendige Normen
Wissen: Chemie – Nahrungsmittelinhaltsstoffe
Fähigkeiten: Deutschkenntnisse – Spracherwerb, Sprechübungen, Tierelfen erfinden

Inhalt
Rudolph, das Leitrentier des Weihnachtsmanns, ist zu krank, um mit dem Weihnachtsmann zu fliegen. Der Weihnachtsmann und seine anderen Rentiere müssen nun mit Hilfe von Rudolphs Weltkarte allein die Geschenke vom Nordpol zu den Kindern in Nordamerika bringen.
Keiner von ihnen kann die Karte lesen. Alle haben sich immer blind auf Rudolph verlassen. Sie müssen es dieses Jahr aber ohne ihn schaffen. Wird es ihnen gelingen?
Gut zu wissen
Ablauf und Mitmachen
Die Kinder treffen als ganz verschiedene Tiere aufeinander. Wie werden sie miteinander umgehen? Wohin wird der Weihnachtsmann mit den Rentieren kommen? Können sie alle Geschenke rechtzeitig bringen? Wer hilft ihnen. Gibt es vielleicht sogar jemanden, der ihnen gar nicht hilft? Das alles entscheidet ihr in der Vorstellung.
Ausgewählte Themenbereiche der Lehrpläne für 3- bis 10-Jährige
Wissen: Kontinente, Geografie, Weltkarte, Sternenkarte, Tiere und ihr natürliches Vorkommen; Kamele, Rentiere, Wildpferde, Kängurus, Elefanten
Fremderleben: auf einander einlassen, voneinander lernen
Beziehungen: Freundschaften, sich auf jemanden verlassen können
Gesundheit: Rudolph hat Grippe
Schenken: Geben und Nehmen, Gaben verteilen
Volksbräuche: Der Weihnachtsmann und seine Rentiere, Weihnachtsgeschenke

Inhalt
3 Fliegenpilze leben schon lang gemeinsam im Wald. Eines Tages kommt ein 4. dazu. Er ist sehr jung und hat tausend Fragen. Meister Murmel, der Hase von Welt, beantwortet sie ihm.
Doch eine Menschenfamilie kommt in den Wald. Die Ruhe des Waldes ist dahin. Die Menschen sind sehr laut und werfen ihren Müll überall in der Gegend herum. Alle Tiere des Waldes fliehen erschrocken und verstecken sich.
Die Fliegenpilze warnen den Kleinen Fliegenpilz. Doch neugierig, wie er ist, schaut er dem Treiben der Menschen aufmerksam zu. Plötzlich trifft etwas achtlos Weggeworfenes seinen Kopf. Er ist schwer verletzt. Können ihn Meister Murmel und der Waldfaun retten?
Gut zu wissen
Ablauf und Mitmachen
Sowohl Kinder als auch Erwachsene aus dem Publikum spielen alle Rollen. Zuletzt entscheiden die Kinder, ob sie zu den Umweltverschmutzern oder Umweltbewahrern gehören wollen.
Ausgewählte Themenbereiche der Lehrpläne für 3- bis 10-Jährige
Achtsamkeit, Rücksichtnahme
Umwelt: Umweltverschmutzung, unnötige Lärmerzeugung
Wissbegierde, Fragenstellen
Naturgeister, Waldfaun

Inhalt
Arme Kinder träumen jede Nacht, dass sie sich Sterne vom Himmel wünschen. Nacht für Nacht werden es mehr Kinder, die diesen Wunsch teilen. Zuletzt dringen ihre Stimmen bis zum Christkind im Himmel vor. Es schickt die Sterne zu den Kindern.
Sobald die Sonne untergeht, wird es stockdunkel auf der Erde. Das Christkind sucht Hilfe bei Mutter Hou. Diese erschafft die Weihnachtssterne. Sie blühen jedes Jahr fast überall. Sie haben gelbe Blüten und weiße, rote oder rosa Hochblätter. Fast jede/r kennt sie.
Gut zu wissen
Ablauf und Mitmachen
Der/die Erzähler/in spielt das Christkind und Mutter Hou. Alle anderen Rollen, die der träumenden Kinder, Sonne, Mond und Sterne, die Sternbringer und die Weihnachtssterntauscher spielen die Kinder. Zuletzt hat jede/r im Publikum einmal einen Weihnachtsstern gehalten und weitergegeben.
Ausgewählte Themenbereiche der Lehrpläne für 3- bis 10-Jährige
Armut, Not, alle haben auch in größter Armut, sehr viel zu geben
Mitgefühl, Hilfsbereitschaft
Sonne, Mond und Sterne, Pflanzen, Umwelt, Wechsel von Tag und Nacht
Wünsche
Weihnachten und seine Botschaft
Religion – Jesu Geburtstag

Inhalt
Bamgaga, ein Kind im Volksschulalter, möchte allen beweisen, dass es vor gar nichts Angst hat. Deshalb bringt es sich immer wieder in Gefahr. Seine größte Angst ist, dass es irgendjemand für feig halten könnte. Was zuletzt dabei herauskommt, entscheiden die Kinder.
Gut zu wissen
Ablauf und Mitmachen
Der/die Märchenerzähler/in läuft laut schreiend mit einem als Handpuppe geführten, wilden Tier in den Vorstellungsraum. Er/sie rennt hin und her, bis es kein Weiterkommen mehr gibt. Dort wirft er/sie das wilde Tier auf den Boden und tritt darauf herum.
Dann zieht er/sie das Märchenerzähler/inkostüm an und erzählt, was Bamgaga gerade wieder angestellt hat. Die Gefahren, in die sich Bamgaga beim Picknick am Teich, auf dem Spielplatz und beim Faschingsfest im Kindergarten begibt, und die Rettungs- und Problemlösungsversuche spielen immer die Kinder. Sie sagen Bamgaga, dass es mutig sein und zu gefährlichen Dingen „Nein“ sagen solle.
Welche Lösungen werden wohl allen gemeinsam beim Faschingsfest einfallen?
Ausgewählte Themenbereiche der Lehrpläne für 3- bis 10-Jährige
Ängste und Mut
Erlebnisse
Leichtsinn, Gehorsam und Ungehorsam
Selbstbewusstsein
Wahl des richtigen Ja oder Nein
Tiere im Zoo und der Umgang mit ihnen
Zusammenhalt

Inhalt
Thomas darf zu seinem 5. Geburtstag zum 1. Mal in den Zirkus gehen. Am allermeisten begeistern ihn die Clowns, weil sie das Publikum zum Lachen bringen. Er beschließt, selbst ein großer Clown zu werden, um den Menschen das Lachen zu schenken. Er übt jeden Tag alles, was ein Clown können muss.
Als er schon fast erwachsen ist, gibt er in einem Park seine 1. Vorstellung. Doch niemand lacht über ihn. Thomas geht traurig nach Hause. Er klagt seinem besten Freund, einer Vogelscheuche, sein Leid. Sein Freund sagt ihm, dass er alles richtig gemacht hätte, aber er könne nun einmal seine traurigen Augen nicht verbergen. Dagegen ist nichts zu machen. Thomas sieht ein, dass er kein Clown werden kann.
Er wird ein sehr tüchtiger EDV-Mitarbeiter in einem großen Büro. Er hält aber sein Leben lang heimlich an seinem Traum, ein Clown zu werden, fest. Jeden Tag übt er nach der Arbeit bei sich zu Hause.
Zu seinem 50. Geburtstag schenken ihm seine Kollegen, die keine Ahnung von seinem Traum haben, eine Zirkuskarte. Er geht in den Zirkus, weil er niemand kränken will.
Was er dort erlebt, und ob Thomas doch noch ein Clown wird, erfahrt ihr in der Vorstellung.
Gut zu wissen
Ablauf und Mitmachen
Der/die Erzähler/in spielt den Zirkusdirektor, Dompteure und einen Clown. Die Kinder sind Elefanten, Raubkatzen und Assistenten des Clowns. Alle Kinder üben, was Clowns können müssen – mit Tüchern Jonglieren, auf Tröten und Tuten Spielen, auf Stelzen Gehen etc.
Nachdem die Kunststücke von Thomas, den immer der/die Erzähler/in spielt, nicht ankommen und niemand über ihn lacht, spielen die Kinder seine Bürokollegen.
Lasst euch überraschen, wie die 3. Zirkusvorstellung an Thomas 50. Geburtstag endet.
Entscheidet, was ihr selbst bei der großen Abschlussparade sein wollt.
Ausgewählte Themenbereiche der Lehrpläne für 3- bis 10-Jährige
Arbeit
Durchhaltevermögen
Freundschaft
Gefühle: traurig sein und Trost
Instrumente: Flöten, Tröten, Mundharmonika, Maultrommel, Pfeiferln
Lehr‑ und Lernmethoden: Üben und Wiederholen
Tiere
Träume, Wünsche, Ziele

Inhalt
Ein/e Märchenerzähler/in möchte sich auf eine lange Reise begeben. Er/sie will zum Grimmstern fliegen. Dort wird er/sie die Grimm-Märchen treffen und sie nach ihren Lebensgeschichten fragen. Dadurch wird er/sie herausfinden, ob die Gebrüder Grimm die Märchen auf der Erde richtig erzählt haben.
Der/die Märchenforscher/in hat alle Kinder in seine/ihre Wohnung zu einer Abschiedsparty eingeladen und völlig darauf vergessen. Die Kinder wollen die Wohnung nicht verlassen, sondern unbedingt auf die Reise mitkommen. Da es gar nicht anders geht, weil man ja schließlich Kinder nicht einfach allein in seiner Wohnung lassen kann, nimmt der/die Erzähler/in sie mit.
Das wird sehr abenteuerlich.
In der Grimmstadt angekommen, werden alle Kinder zu Märchenforschungs-Assistent(inn)en. Sie bilden Teams und suchen sich aus, welches Grimm-Märchen sie erforschen möchten. Wenn sie den/die Märchenerzähler/in kommendes Jahr wieder treffen werden, wird er/sie die Kinder fragen, was sie von den Märchen erfahren haben.
Gut zu wissen
Ablauf und Mitmachen
Es ist eine sehr bewegungsintensive Erzählung. Alle – maximal 50 Kinder und natürlich auch alle Erwachsenen (deren Zahl keiner Beschränkung unterliegt) – spielen gemeinsam verschiedene Formen des Reisens:
Zu Fuß Gehen, Laufen und Nordic Walken
Im Bus, Zug und Ballon Fahren
Auf dem Floß das Meer Überqueren
In der Rakete durch den Weltraum Fliegen
Ausgewählte Themenbereiche der Lehrpläne für 3- bis 10-Jährige
Gesundheit: Alltagsbewegung und Sport als Spiele
Handel: Tauschen statt Bezahlen, Arbeit gegen Fahrkarten
Fähigkeiten: Zählen, Rechnen
Wissen: Astronomie – Namen und Symbolgehalt der Planeten, Fortbewegungsmöglichkeiten und ‑mittel, Titel und Inhalte von Grimm-Märchen, Ozeane, Dschungel und Lebewesen darin

Inhalt
Sebastian lebte im 3. Jhdt. und war ein christlicher Märtyrer. Alles andere sind uralte erfundene Geschichten. Die Kinder spielen alle Szenen.
Er hatte eine hervorragende Karriere als Soldat gemacht und war Tribun der Prätorianergarde am Hof Kaiser Diokletians. Einige Zeit konnte er seine Brüder und Schwestern im Glauben, Christinnen, die verfolgt worden sind und im Gefängnis waren, beschützen. Er wurde aber verraten und zum Tod verurteilt. Diokletian ließ ihn von numidischen Bogenschützen erschießen. Dies überlebte er schwer verletzt. Die christliche Witwe Irene pflegte ihn gesund. Als er vollkommen genesen war, ging er zum Kaiser und klagte ihn öffentlich wegen seines Christenhasses an. Er wurde erneut zum Tod verurteilt und im Circus Maximus mit Keulen erschlagen. Er erhielt kein Begräbnis. Büttel warfen ihn in die Cloaca Maxima, den Abwasserkanal von Rom. Lucina, eine Christin, fand und barg ihn. Er wurde in den Katakomben an der Via Appia (Coemeterium ad Catacumbas) bestattet.
Wissenswertes
Winterheiliger
Gedenktag: 20. Jänner röm.-kath. und protestantisch
Es ist auch der Gedenktag des heiligen Fabian.
24. Oktober od. 18. Dezember orthodox
Patron: gegen Pest und pestartige Erkrankungen sowie Aids für
Soldaten, Schützenbruderschaften, Kriegsinvalide und Sterbende
Eisenhändler, Töpfer, Gärtner, Gerber, Bürstenbinder u. v. m.
Er ist Schutzpatron von u. a. Rom und Rio de Janeiro. Der vollständige Name lautet Cidade de São Sebastião do Rio de Janeiro. An seinem Gedenktag findet eine große Prozession statt.
Volksbrauchtum
Sebastian ist durch das Volk (Vox populi / Akklamation) heiliggesprochen. Bald nach seinem Tod riefen Christen ihn an seinem Grab als Schutzpatron gegen die Pest an.
Bauernregeln: An Fabian und Sebastian fängt der rechte Winter an.
Fabian im Nebelhut, der tut den Pflanzen gar nicht gut.
Sebastian je kälter und heller – dann werden Scheuer und Fässer umso völler.
Sonnenschein um Fabian und Sebastian, der lässt den Tieren das Futter ausgah’n.
Sebastianpfeile oder Sebastianschießen: Tradition im Alpenraum, Eine Ehrenscheibe mit Sebastianmotiv wird hergestellt, auf sie oder Motivscheiben wird geschossen. Der Schütze, der mitten ins Zentrum trifft, bekommt den kunstvoll geschnitzten Sebastianpfeil als Trophäe.
Sebastianipfeil-Trinken: Aus einem besonders verzierten und geformten Pokal wird getrunken, um die Gemeinschaft zu stärken.
Sebastianssegen: Er sollte vor Pest, anderen Seuchen und plötzlichem Tod schützen und wird oft mit einer Sebastianreliquie erteilt.
Prozession: Zug der Schützenkompanien in voller Tracht und mit Fahnen zur Kirche
Historizität-Heiligenlegende (Hagiografie)
Namensbedeutung: griechische Herkunft, der zum Kaiser Gehörende
Es ist nur gesichert, dass es einen Sebastian gegeben hat, der als Märtyrer in Rom gestorben ist. Es gibt keine zeitgenössischen historischen Dokumente.
354 hat ein anonymer römischer Chronist im ältesten römischen Märtyrerverzeichnis Sebastians Namen, Gedenktag und Grabstätte schriftlich erfasst.
4. Jhdt.: Der Kirchenvater Ambrosius von Mailand schrieb die ersten nicht historischen Tatsachen zu Sebastians Leben auf.
5. Jhdt.: In der „Passio Sancti Sebastiani“ erfand der Mönch Arnobius der Jüngere eine Hagiografie Sebastians. Er nannte seinen Geburtsort, seine christliche Erziehung und Jugend, seine spätere Zugehörigkeit zur Prätorianergarde, zuletzt als hoher Offizier, den Schutz, den er Christen durch seine hohe Position gewähren konnte, die beiden Martyrien, das Wunder der Entdeckung durch Lucina und sein Begräbnis. Er wollte ein moralisches Vorbild erschaffen. Die theologische Symbolik als „höhere Wahrheit“ war ihm wichtiger als die historische Präzision.
Rezeption und Ikonographie
4. Jhdt.: Errichtung der Apostelkirche (Basilica Apostolorum) direkt neben den Sebastian-Katakomben. Reliquien von Petrus und Paulus sind dort versteckt gewesen.
5. Jhdt.: Umbau von Sebastians Grab. Seitdem ist seine Verehrung schriftlich bekundet.
6. Jhdt.: Ikone auf Mosaiken in Ravenna
680: Ende einer Pestepidemie in Rom
7. Jhdt.: Reliquientransport nach Pavia, Ende der Pestepidemie in Pavia nach Eintreffen seiner Reliquien
9. Jhdt.: Reliquientransporte nach Saint Médard in Soissons, dem Sitz der französischen Könige (826); später in die Kirche Quattro Coronati, die Vatikanischen Bibliothek, nach Hagenau im Elsass, Ebersberg in Bayern und viele weitere Städte.
Umbenennung der Apostelkirche in San Sebastiano fuori le mura oder ad Catacumbas.
1575: Ende einer Pestepidemie in Mailand
1579: Ende einer Pestepidemie in Lissabon
Die Beendigungen der Pestepidemien wurden seinen Reliquien und den Fürbitten an ihn zugeschrieben.
Liegestatue: Sie ist ein berühmtes Meisterwerk von Antonio Giorgetti, basierend auf einem Entwurf von Gian Lorenzo Bernini in der prachtvollen barocken Sebastianskapelle der Basilika.
Wallfahrtskirche: Die größte Sebastian Wallfahrtskirche im deutschen Raum ist in Ebersberg die ehemalige Abteikirche St. Sebastian.
Attribute: Pfeile in der Hand gehalten oder in seinem Körper, Baum oder Pfahl an den er gefesselt ist. Er ist nackt oder trägt nur ein Lendentuch. Zu seinen Füßen liegen Schild und Rüstung. Die Keule, mit der er letztendlich erschlagen worden ist, wird selten dargestellt. Die klassischen christlichen Märtyrersymbole – die Krone und der Palmzweig.

Inhalt
Der/die Erzähler/in liegt zu Beginn der Vorstellung gefesselt und zusammengekauert auf dem Boden. Über dem Erzähler/ingewand trägt er/sie ein schmutziges, langes, weißgraues Hemd. Sobald das Publikum sitzt, kommt ein vorher instruierter Erwachsener auf die Spielfläche, zieht ihn/sie grob hoch, stößt ihn/sie bis zur Türe, nimmt ihm/ihr die Fesseln ab, öffnet die Türe und schubst ihn/sie hinaus. Er ruft hinter ihm/ihr her: „Du bist frei, geh!!“ und setzt sich wieder auf seinen Platz.
Der/die Erzähler/in kommt herein, geht auf die Spielfläche, fragt die Kinder, ob sie wüssten, wer das gerade gewesen wäre, den er/sie gespielt hätte. Sobald die Kinder erraten haben, dass es Nikolaus gewesen ist, erzählt der/die Erzähler/in die Entstehungsgeschichte, des heiligen Nikolaus. Die Kinder spielen den Heiligen, der heimlich die 3 Goldklumpen in das Zimmer der Mädchen wirft, wählen den Kinderbischof, der Erwachsene tadeln und belohnen darf, stellen beim Schiffchensetzen, die Schiffchen auf, die mit Gaben gefüllt werden, lesen aus dem goldenen Buch vor und spielen die drei finsteren Begleiter.
Wissenswertes
Herbstheiliger
Gedenktag: 6. Dezember
Patron: Er ist der Hauptpatron von Russland und Griechenland.
Er beschützt Kinder, Schüler und Studenten. Der Legende zufolge hat er 3 ermordete Schüler wieder zum Leben erweckt.
Seefahrer, Schiffer und Fischer rufen ihn um Hilfe an, weil er angeblich während eines Sturms nur durch sein Gebet das Meer wieder beruhigt hat.
Kaufleute, Händler und Bäcker haben ihn wegen einer legendären, wundersamen Getreidevermehrung zu ihrem Schutzherren gewählt.
Pfandleiher und Bankiers berufen sich auf die Legende der Jungfrauenrettung.
Volksbrauchtum
Kaufleute raubten 1087 die Reliquien aus Myra und brachten sie nach Bari. Seitdem gilt Bari in
Süditalien als Zentrum der Nikolausverehrung.
Gabenbringer: Die Darstellung und Verehrung des heiligen Nikolaus als Gabenbringer entwickelte
sich ab dem 14., 15. Jhdt. aus alten Legenden und kirchlichen Bräuchen.
14. Jhdt.: Beim Kinderbischofsfest, das es seit dem 14. Jhdt. gibt, wählen Kinder in Klosterschulen am 5. Dezember einen Kinderbischof. Er darf an diesem einen Tag das Fehlverhalten Erwachsener tadeln und sie für gutes Benehmen mit Zuckerwerk belohnen. Der 6. Dezember war der einzige allgemeine Schenktag im Jahr.
15. Jhdt.: Seit dem 15. Jhdt. gibt es den Brauch „Schiffchensetzen“. Kinder basteln kleine Papierschiffchen für die Nikolausgaben, weil Nikolaus auch der Schutzpatron der Seefahrer ist. Manche meinen, dass sich aus den Schiffchen das Aufstellen der Schuhe entwickelt hätte.
1535: Martin Luther war strikt gegen die Heiligenverehrung und -anbetung. So verlegte er die Bescherung auf das Weihnachtsfest, um den Heiligen Nikolaus als Gabenbringer abzuschaffen. Er erfand die Figur des „Heiligen Christ“, Jesus Christus als erwachsenen, gabenbringenden Mann.
In katholischen Regionen blieb Nikolaus am 6. Dezember der Gabenbringer, in reformierten kam der Heilige Christ am 24. Dezember.
19. Jhdt.: Es fand eine Umkehrung statt. Aus dem Heiligen Christ war das Christkind geworden, das nun die Gaben brachte. Es war zunächst der kindliche Jesus, heute gleicht es einem Engel. Es wird der kindliche Jesus als Christuskind vom engelsgleichen Christkind immer öfter in der röm.-kath. Kirche unterschieden. In reformierten Regionen gibt es heute häufiger als das Christkind den Weihnachtsmann als Reimport aus Amerika. Er ist das Pendant zum Heiligen Nikolaus.
Einlegebrauch: Schuhe Aufstellen: Kinder stellen Schuhe oder Teller zur oder vor die Tür. Sie werden in der Nacht vom 5. auf den 6. Dezember mit Äpfeln, Mandarinen, Nüssen und Süßigkeiten gefüllt.
Einkehrbrauch: Nikolaus kommt zu Familien, in Kindergärten, Schulen und sonstigen Kinderbetreuungseinrichtungen. Er liest aus einem goldenen Buch ihre guten und bösen Taten vor, lobt oder tadelt sie und verteilt aus einem großen Sack Äpfel und Sonstiges.
Begleiter: In manchen Regionen kommt er mit der heiligen Barbara, in anderen mit dem finsteren Begleiter – Österreich Krampus, Norddeutschland Knecht Ruprecht, Schweiz Schmutzli.
Historizität – Verschmelzung
Es gibt keine zeitgenössischen Quellen. Er ist heilig durch Vox populi.
7. Jhdt.: Die wenigen historisch verbrieften Tatsachen seines Lebens stammen von Andreas von Kreta. Hinter dem Heiligen Nikolaus stehen 2 Personen.
3. und 4. Jhdt.: Bischof Nikolaus von Myra lebte in der heutigen Türkei. Damals lag Myra in der Region Lykien in Kleinasien, dem griechischsprachigen Teil des römischen Reiches. Sein Geburtsjahr, zwischen 270 und 286, ist genauso wenig geklärt wie sein Sterbejahr 326, 345, 351 oder 365. Einigkeit herrscht über den 6. Dezember als Todestag.
Als er 19. Jahre gewesen ist, hat ihn sein Onkel, ebenfalls Nikolaus, Bischof von Myra, zum Priester geweiht.
310: Während der Christenverfolgung unter den Nachfolgern von Kaiser Diokletian, geriet er in Gefangenschaft und wurde gefoltert.
313: Durch das Mailänder Toleranzedikt von Kaiser Konstantin entging er der Hinrichtung und wurde aus dem Gefängnis entlassen.
325: Es gibt Berichte über seine Teilhabe am 1. Konzil von Nicäa (Iznik-Türkei). In den 16 bekannten Teilnehmerlisten scheint sein Name 6 Mal auf.
6. Jhdt.: Die 2. Person war Nikolaus von Sion, Abt des Klosters Sion, danach Bischof in Pinara (Lykien). Die „Vita Nicolai Sionitae“ ist eine zeitgenössische Biografie. In dieser sind Wunder und Reisen beschrieben, die im Mittelalter allmählich Nikolaus von Myra zugeordnet worden sind.
Rezeption und Ikonographie
Es gibt einerseits die kirchliche Verehrung, die besonders in der griechisch und russisch orthodoxen Kirche sehr stark ist. Er ist ein Brückenheiliger zwischen Ost- und Westkirchen. Andererseits seit dem 19. Jhdt. die Säkularisierung und Kommerzialisierung als Weihnachtsmann bzw. St. Claus. Er ist nicht mehr als Bischof gekleidet, sondern als dicker, gemütlicher Mann mit dichtem weißen Bart und Zipfelmütze.
Die große Freigiebigkeit von Nikolaus, die ihm sein reiches Erbe schon ermöglichte, bevor er Bischof geworden war, führte zu zahlreichen Legenden. Die bekannteste ist die der Mitgiftspende. Als Nikolaus erfuhr, dass ein armer Mann, der die Mitgift seiner 3 Töchter nicht bezahlen konnte, sie als Prostituierte verkaufen wollte, warf er heimlich in der Nacht drei Goldklumpen beim Fenster der 3 Mädchen in ihr Zimmer. Der dritte Goldklumpen landete in einem Schuh. Daher rührt der Brauch, Schuhe aufzustellen, damit sie am Morgen mit Gaben gefüllt sein sollen.
Nikolaus soll auch Macht über den Sturm gehabt und Wunder gewirkt haben.
Attribute: Bischofsmütze (Mitra), Krummstab, weiß-goldenes Messgewand, 3 Äpfel, 3 goldene Kugeln oder 3 Brote, Buch, Schiff, Anker

Inhalt
Martin war Soldat, Priester, Missionar und Bischof. Sein Geschenk des halben Mantels machte ihn weltberühmt. Kinder sollen durch ihn Teilen lernen. Das ist auch gut so. Doch die Wahrheit ist, Martin teilte nicht, er gab alles, was er besaß. Nur die Hälfte des Mantels, den er trug, gehörte ihm. Alles andere, das er bei sich hatte, war im Besitz des Kaisers. Ihr erfahrt auch, was es mit den Gänsen auf sich hatte.
Der/die Erzähler/in wählt 2 Kinder aus, die Martin und den Bettler spielen. Einige andere sind das Volk, das den Bettler ignoriert. Martin reitet nicht vorbei, sondern schenkt ihm die halbe Cappa. In der nächsten Szene quittiert Martin den Dienst und erklärt, dass er ein Ritter Gottes sein möchte. Ein anderes Kind lebt nun ärmlich gekleidet als Eremit, und verkündet das Evangelium. Das andere Mal ist er doch Bischof geworden und die Gänse stören die Messe, die er hält. Die Gläubigen scheuchen sie aus der Kirche. Es folgt die berühmte Szene der schnatternden Gänse. Einmal ist Martin auf der Flucht vor dem Bischofsamt und sie verraten ihn durch ihr Geschnatter. Nachdem er dann doch Bischof geworden ist, stören Sie die Messe, die er hält, und werden von den Kirchenbesuchern aus der Kirche gescheucht. Die Vorstellung endet mit dem Sankt-Martins-Sommer.
Wissenswertes
Herbstheiliger
Gedenktag: 11. November, Martini, Faschingsbeginn um 11.00 Uhr, weltweiter Gedenktag
Evangelisch: Einer der sehr wenigen in der evangelischen Kirche geschätzten Heiligen.
Martin Luther, geboren am 10. November, ist auf den Namen des Tagesheilgen am 11. November getauft worden.
Patron: Nationalheiliger der Franken
Volksbrauchtum
Sowohl im bäuerlichen Kalender als auch im Kirchenjahr ist der 11. November ein Einschnitt. Es war das Ende des Wirtschaftsjahres, Zahl- und Schlachttag, Zins- und Pachtabgaben wurden fällig. Im Kirchenjahr beginnt die 40-tägige Adventfastenzeit.
Martinsfeuer: Der Martinsumzug endet oft beim Martinsfeuer. Dort spielen Kinder oder Erwachsene die Mantelteilung nach. Das Feuer symbolisiert das Licht Christi in der dunklen Jahreszeit.
Martinigans: Rund um den 11. November wird in der Gastronomie vielerorts die Martinigans angeboten. Ein Festessen. Die gebratenen Gänseteile werden mit Rotkraut, Knödeln und Maroni serviert.
Martinshörnchen / Weckmänner: Sie sind Hefeteiggebäckstücke, die an Nächstenliebe und Teilen erinnern sollen. Die Kinder bekommen sie nach dem Laternenumzug geschenkt.
Martinisingen: Es ist ein sehr alter Heischebrauch in Österreich, der Schweiz, Nord- und Westdeutschland. Heute kennen wir ihn als Laternen- oder Lichterlfest.
Martinsumzug: Hinter einem Reiter mit rotem Mantel gehen laternentragende Kinder durch einen Ort.
Historizität – Vita
Sulpicius Severus, ein Zeitgenosse Martins, hat seine Lebensdaten historisch sehr präzise dokumentiert, wie sie auch hier wiedergegeben werden. Da wir aber doch vieles aus dem Bereich der Legenden in der Vorstellung spielen werden, handelt es sich um keine Biografie, sondern um eine Vita.
316: Er wurde in Sabaria (Szombathely, Ungarn) als Sohn eines heidnisch römischen Militärtribuns geboren und verbrachte seine Kindheit und Jugend im oberitalienischen Pavia. Dort ließ er sich gegen den Willen seiner Eltern als Katechumen (Taufanwärter) registrieren.
331: Er trat mit 15 Jahren in das Militär ein, weil ihn das römische Gesetz zur Nachfolge seines Vaters, eines Veterans, verpflichtete. Er diente in einer kaiserlichen Reitergarde.
334: Martin war als Soldat noch ungetauft, doch bedeutete ihm die christliche Nächstenliebe schon sehr viel. Er teilte seinen Mantel und schenkte seine Hälfte, die andere gehörte dem Kaiser, einem frierenden Bettler. Das geschah in Amiens. In der folgenden Nacht erschien ihm Jesus Christus im Traum, der den halben Mantel trug. Kurz darauf ließ sich Martin taufen.
356 quittierte er seinen Militärdienst. Als Soldat Christi, wollte er nicht mehr kämpfen. Bischof Hilarius von Poitiers wurde sein Lehrer und Mentor. Er lebte einige Jahre als Eremit.
361 gründete er in Ligugé, das erste Kloster Galliens, das erste Westeuropas. Die Abtei Saint-Martin de Ligugé ist das älteste noch aktive Kloster Westeuropas. Heute bewohnen es wieder Benediktinermönche.
371 wollte das Volk von Tours, dass er Bischof werden sollte. Er wollte das nicht. Es gibt 2 Legenden, die im Zusammenhang mit dem Brauch des Martinigansls stehen. Er soll davongelaufen sein, als das Volk ihn zum Bischofsamt drängte. Zuletzt geriet er in einen Gänsestall und versteckte sich dort. Die aufgeschreckten Gänse haben ihn durch ihr Geschnatter verraten, wodurch er gefunden worden ist. Daher werden sie zur Strafe zu Martini verspeist. Die 2. Legende berichtet von Gänsen die seine Predigt gestört hätten. Die Gläubigen haben sie eingefangen und aus der Kirche hinausgebracht. Sie sind aber ein 2. Mal eingedrungen und haben gestört, daraufhin sind sie geschlachtet und verspeist worden.
Auch als Bischof lebte er sehr bescheiden in einer kleinen Holzhütte, die einer Steinhöhle vorgelagert war, dem Kloster Marmoutier vor der Stadt, statt im bischöflichen Palast. Die persönliche Missionsarbeit der heidnischen ländlichen Bevölkerung war ihm ein sehr wichtiges Anliegen.
397 starb Martin am 8. November. Am 11. November wurde er in Tours begraben.
Rezeption und Ikonographie
Der heilige Martin war der erste Nichtmärtyrer, der durch Akklamation heilig geworden ist.
Mantelteilung: Sie ist eine der häufigsten in Skulpturen, Gemälden und Glasfenstern dargestellten Szenen.
Attribute: als Soldat – Mantel (Cappa), Rüstung, Schimmel, Schwert, halbnackter Bettler
Als Bischof: Messgewand, Stab, Mitra, Gans, Buch, Kirchenmodell

Inhalt
Da Mariä Empfängnis, der Tag an dem Anna, die angebliche Mutter Marias, mit ihr schwanger geworden ist, ein staatlicher Feiertag in Österreich ist, greifen wir dem Ereignis von Marias Geburt vor und spielen diese rund um den 8. Dezember. Die weitere Vorstellung folgt den Legenden, die Jakobus 150 n. Chr. geschrieben hat.
Angeblich durfte Maria Lesen und Schreiben lernen und wuchs als sehr behütetes kleines Mädchen eines reichen Kaufmanns auf. Sie geht allein, pantomimisch 15 Stufen zum Tempel hinauf. Dort nimmt sie ein Priester in Empfang. Sie versieht den Tempeldienst bis zur Verlobung mit Josef. Danach halten wir uns wieder an biblische Berichte. Maria folgt ihrem erwachsenen Sohn treu und weist bei der Hochzeit in Kana die Knechte und Mägde an, alles zu tun, was er befiehlt.
Wissenswertes
Herbstheilige
Gedenktag: 8. Dezember
Er ist einer der vielen fixen Marienfesttage. Dieser Feiertag heißt „Maria ohne Erbsünde empfangen“ oder „Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria“ oder kurz, wie ihn auch Nichtkatholiken kennen, „Mariae Empfängnis“. Er ist ein staatlicher Feiertag in Österreich. Anna, Marias angebliche Mutter, wurde an diesem Tag von Joachim, Marias angeblichen Vater, mit ihr schwanger. Dieses Datum passt genau mit dem am 8.9. gefeierten Fest Mariae Geburt zusammen.
Patronin: Sie ist die höchste Patronin aller Christinnen und Christen, von zigtausenden Pfarreien weltweit, des Ordens der Dominikanerinnen, zahlreicher Bistümer, vieler Staaten und Länder, Europas, der Reinheit und Einheit, der Luftfahrt und vielem mehr. Sie bietet Schutz gegen feindliche Belagerungen und Feuer.
Zu den christlichen Andachtsformen gehören der Rosenkranz, Prozessionen und Wallfahrten.
Sie wird nicht nur von Christen, sondern auch von Muslimen und einigen ethnischen Kirchen verehrt.
Volksbrauchtum
Sie genießt die höchste Verehrung der Kirchengeschichte ohne jeglichen Prozess.
8. September: Es werden Mariä Geburtsfeste gefeiert.
Er heißt im Volksmund kleiner Frauentag und ist ein Lostag.
Wetter-, Ernteregeln: „Mariä Geburt fliegen die Schwalben furt.“
„Marie Geburt sin de Nüete [Nüsse] guet.“
Schwalben kommen zu Mariä Verkündigung aus dem Süden nach Norden und fliegen zu ihrer Geburt wieder zurück.
Lieder und Singspiele: Meerstern, ich Dich grüße
Hymnen: Ave-Maria
Historizität – Legende
Es ist unbestritten, dass Maria gelebt und Jesus biologische Großeltern gehabt hat. Niemand weiß, wer sie gewesen sind. In der Bibel sind Anna und Joachim nirgends erwähnt. Maria scheint ausschließlich als Braut von Josef und Mutter von Jesus und ev. seinen Brüdern und Schwestern auf. Die Elternnamen und die Erzählungen über Marias Kindheit stammen aus den Apokryphen, dem Protoevangelium des Jakobus. Er verfasste es ca. 150 n. Chr. Diese Texte hatten theologischen Zweck und sollten Maria als Vorbild für ein ideales christliches Frauenleben zeigen. Sie sind sehr wichtig für die künstlerischen Darstellungen Marias.
Rezeption und Ikonographie
Maria wurde und wird als sanfte, tapfere, trauernde Frau bis apokalyptische Drachenbezwingerin wahrgenommen und dargestellt. „Im Laufe der Geschichte erfuhr die Gestalt Marias einen vielfältigen Um- und Ausdeutungsprozess innerhalb der dogmatischen Entwicklung sowie in der Frömmigkeits-, Kunst-, Musik- und Literaturgeschichte, der weit über das im Neuen Testament Vorgezeichnete hinausreicht.“ (Peterson, Maria, Mutter Jesu)
Im Marianischen Jhdt. (1854 – 1954) hat die Marienfrömmigkeit enormen Aufschwung genommen. Sie drohte sogar mancherorts die Christusverehrung zu überlagern.
Unbeflecktes Herz Mariens: Es ist ein mit einem Schwert durchbohrtes Herz in Amuletten, in der Heraldik und in Bildern.
Attribute: Brunnen, Bäume (Zeder, Zypresse, Palme, Ölbaum), Meerstern, Mond, Lilien, Rosen, Tempel, Turm, Pforte, Walderdbeeren, Spiegel der Gerechtigkeit
Attribute der apokalyptischen Maria: Sternenkranz, Mondsichel und Drache
Attribute der schützenden Maria: Mantel in Blau, Rot oder Gold, Symbol der Herrschaft, des Schutzes und der Würde. Sind Menschen unter ihren Mantel gedrängt, bedeutet das „Unter dem Schutzmantel ergeht Gnade vor Recht“.
Attribute der Madonna mit dem Kind: seit dem 12. Jhdt. Krone und/oder Heiligenschein

Inhalt
Zunächst spielen die Kinder die heutigen Länder, die Markgraf Leopold III. vor fast tausend Jahren regierte. Sie erfahren den Unterschied zwischen dem damaligen kleinen Ostarrichi und dem heutigen, vergleichsweise großen Österreich. Sie lernen die singenden Augustiner Chorherren kennen und wie sich die weltoffenen Augustiner von den weltabgekehrten Franziskanern oder Benediktinern unterschieden haben.
Sie erfahren, welche Rolle der spätere heilige Leopold bei der Gründung des Stifts Klosterneuburg gespielt hat, indem sie selbst die Schenkung des Landes darstellen. Pantomimisch roden die Kinder die Wälder und erbauen mit schweren Steinen die Klöster Heiligenkreuz und Kleinmariazell. Zuletzt lehnt ein Kind als Leopold III. die ihm angebotene deutsche Königskrone ab, weil der friedliche, fromme Leopold lieber bei seinem Volk bleiben wollte, statt als späterer Kaiser Kriege zu führen.
Zuletzt geht es um seine Heiligsprechung im Jahr 1485 durch Papst Innozenz VIII. und um die Erhebung zum Landespatron von Wien und Niederösterreich und zum Mitpatron von Oberösterreich im Jahr 1663 durch Kaiser Leopold I.
Wissenswertes
Herbstheiliger
Gedenktag: 15. November
Volksbrauchtum
Patron: Niederösterreich, Oberösterreich, Wien
Das Volksbrauchtum rund um den Leopolditag, den 15. November, seinen Todestag, ist z. B. in Niederösterreich sehr reichhaltig.
Fasslrutschen: Im Binderstadl des Stiftes Klosterneuburg gibt es ein 1000-Eimer-Fass. Wer besonders schnell über das Fass rutschen kann, soll im kommenden Jahr Glück haben.
Leopoldimarkt: Es findet in Klosterneuburg ein mehrtägiger Jahrmarkt statt. Der neue Wein wird ausgeschenkt, es gibt einige Begleitveranstaltungen und Marktstände mit kulinarischen Spezialitäten.
Wallfahrten: Pilger besuchen das Grab des Heiligen in der Stiftskirche Klosterneuburgs und legen Fürbitten ab.
Historizität – Biografie
Leopold, der Fromme oder auch der Heilige war als Leopold III. Markgraf der „bairischen Marca Orientalis“ oder von „Ostarrichi“. Das sind heute Teile von Wien, Niederösterreich und Oberösterreich, den Ländern, deren Patron er ist.
1073 wurde er in Gars am Kamp geboren.
1095 folgte er seinem Vater, Leopold II., als Markgraf von Ostarrichi nach.
1106 heiratete er Agnes von Waiblingen. Sie war eine Tochter von Kaiser Heinrich IV. und die Witwe des Stauferherzogs Friedrich I. Dadurch gewannen die Babenberger sehr viel Land.
1114 stiftete er das Augustinerkloster (Chorherrenstift) Klosterneuburg.
1125 schlug er die deutsche Königskrone aus, die ihm den Weg zum Kaiserthron hätte ebnen können. Damit verhalf er den Babenbergern zu einem gewaltigen Aufstieg und legte den Grundstein für den späteren Mythos des seligen Österreich, dem friedlichen Kulturland, dass keine Kriege führen wollte, sondern lieber Heiratspolitik betrieb.
1133 folgte die Schenkung von Land, Geld und Gütern zur Errichtung von Stift Heiligenkreuz.
1136, im Februar, war Leopold III. an der Gründung der Cella Sanctae Mariae (Marienzelle) einem ehemaligen Benediktinerkloster in dem heutigen Wallfahrtsort Kleinmariazell in Niederösterreich als Landesfürst und Geber von Stiftungsgütern beteiligt.
Im selben Jahr, am 15. November, verstarb Markgraf Leopold, vermutlich bei einem Jagdunfall oder durch Fremdeinwirkung. Er ist in der Krypta des Stiftes Klosterneuburg beigesetzt.
Rezeption und Ikonographie
1485, am 6. Jänner, hat Papst Innozenz VIII. auf intensive Bemühungen der Habsburger Markgraf Leopold III. heiliggesprochen. Die Habsburger wollten dadurch ihre Herrschaft als gottgewollt legitimieren.
1663 ernannte Kaiser Leopold I. ihn offiziell zum Landespatron von Österreich ob und unter der Enns sowie von Wien.
18. Jhdt. – 19. Jhdt. wurde er als idealer christlicher Herrscher, Friedensfürst und „Vater des Vaterlandes“ inszeniert.
Attribute: Markgrafenhut, pelzverbrämter oder Hermelinmantel, Modell der Klosterneuburger Stiftskirche in seiner Hand und Rüstung
In den Bildern findet er oft den unversehrten Hochzeitsschleier seiner Frau Agnes oder weist demütig die deutsche Königskrone zurück.

Inhalt
Der/die Erzähler/in spielt mit Handpuppen das Gespräch im Tempel, das der Engel Gabriel mit Zacharias über Johannes Geburt führt. Kinder spielen danach die Menge, die auf Zacharias vor dem Tempel wartet und erstaunt darüber ist, dass er ihr auf ihre Fragen gar keine Antwort gibt. Zacharias bleibt bis zur Geburt von Johannes und zur Bestätigung, dass er Johannes heißen solle, stumm. Es war seine Strafe dafür, dass er Gabriels Worte angezweifelt hat.
Der/die Erzähler/in spricht als Zacharias das Benedictus, den Lobgesang des Zacharias. Alle Kinder singen oder sprechen den Refrain mit. Es wird das Leben des Johannes als Asket dargestellt und gespielt, wie er sich von Heuschrecken und wildem Honig ernährt. Die Taufe Jesu und das Zeugnis des Johannes, dass er wirklich Gottes Sohn ist, spielen die Kinder. Den Tanz der Tochter der Herodias tanzt dem biblischen Bericht entsprechend ein Kind. Dass Herodes Johannes zuletzt auf Wunsch der Herodias köpfen ließ, erzählt der/die Erzähler/in.
Wissenswertes
Sommerheiliger
Gedenktag: 24. Juni
Außer dem Gedenktag seiner Geburt am 24. Juni, genau ein halbes Jahr vor Jesu Geburt, gibt es in den christlichen Kirchen viele verschiedene Gedenktage für Johannes, den Täufer.
Im Advent gebührt ihm für die Vorbereitung der Ankunft Jesu Christi besondere Verehrung.
Viele Gedenktage erinnern an die Überbringung seiner Gebeine.
Volksbrauchtum
Die Verehrung Johannes des Täufers begann schon zu seinen Lebzeiten durch seine Jünger und Täuflinge. In Gallien gab es lt. Gregor von Tour im 6. Jhdt. ein Johannesfest nach Epiphanias.
Patron: Heute ist er Landes-, Regions-, Stadt-, Bistums und Kirchenheiliger unzähliger Gebiete und Gebäude weltweit.
Er hilft gegen viele Krankheiten, Schmerzen und Süchte sowie gegen Hagel.
Er beschützt die Ausübenden vieler Gewerke und die Landwirte, Hirten und Gastronomen.
Auch Bühnenkünstlerinnen und Kinoinhaberinnen stehen unter seinem Schutz.
An den Johannesfesttagen haben sich weltweit unterschiedlichste Bräuche entwickelt.
Johanniskraut bietet Schutz gegen Geister und Teufel.
Johannisbeeren werden im Juni reif und fördern die Gesundheit enorm.
Johanniskäfer sollen in der Johannisnacht am stärksten leuchten.
Johannisbrot ist als Asketenkost bekannt.
Johannisnacht Spargel und Rhabarber kann man bis dahin ernten.
Viele Bauernregel richten sich nach dem 24. Juni.
Das Sprichwort sagt, dass der Teufel am St. Johannitag keine Macht hätte.
Johannisfeuer oder Sonnwendfeuer brennen in der Nacht vom 23. auf den 24. Juni.
Historizität – Vita
Weder Elisabeth und Zacharias als seine Eltern noch die Wunder, die er gewirkt haben soll, finden historische Bestätigungen.
Rezeption und Ikonographie
4. Jhdt.: Die ältesten erhaltenen Steine der „Johannes Grabkirche“ in Samaria (Sebastia) stammen aus dieser Zeit. Zur Zeit Kaiser Konstantins sind zahlreiche weitere Kirchen und v. a. Taufkapellen gebaut worden.
6. Jhdt.: Bau der Erzbasilika San Giovanni in Laterano in Rom
904: Weihe dieser Kirche Johannes dem Täufer
12. Jhdt.: Weihe auch Johannes Evangelista
Sie ist die weltweit wichtigste und älteste Papstkirche, ihr Ehrentitel ist „Mutter und Haupt aller Kirchen der Stadt und des Erdkreises“. Dort wird der Unterkiefer des Täufers bewahrt. Seine Reliquien gelangten von Alexandria aus in den gesamten Mittelmeerraum.
12. Jhdt.: Damals bauten Kreuzfahrer die St-Johannes Kathedrale direkt über der traditionellen, symbolischen Grabstätte.
1187 bewahrten Muslime nach der Eroberung die Kathedrale vor der Zerstörung, weil sie Johannes als den bedeutenden Propheten Yahya verehrten. Die gut erhaltenen Teile werden heute im Dorf Sebastia von den Bewohnern als Nabi-Yahya-Moschee genutzt.
Attribute: Nach Maleachi ist er ein Engel, daher hat er in der Ostkirche Flügel.
Kamelhaarmantel, Spruchband „Ecce Agnus Dei“, Lamm, Kreuzstab, Axt am Baum, Haupt in einer Schale, lange, ungekämmte Haare, Taufschale, Apfel, aus dem ein Palmzweig wächst.
Er sitzt als Mittler im jüngsten Gericht zur Rechten (vom Betrachter aus) Christi.

Inhalt
Die Vorstellung beginnt mit der Verehrung des heiligen Georg. Einige Kinder spielen Bauern bei der Landarbeit. Sie machen eine Pause, essen, trinken und danken Gott für die Speisen. 1 Kind steht erhöht auf einem Tisch mit Helm, Umhang und einem Speer in seiner Hand, zu seinen Füßen liegt ein Drache. Es segnet die Bauern. Diese verneigen sich vor Georg, räumen ihre Geräte auf und setzen sich auf ihre Plätze. Zuletzt setzt sich auch Georg wieder.
Der/die Erzähler/in lädt die Kinder ein, die Geschichte des heiligen Georg zu spielen. Sie stellen eine Familie, den Vater als Soldat, die Mutter als vornehme Dame im 3. Jhdt. und Georg sowie seine Geschwister als Kinder dar.
Georg wird zunächst Soldat und dann Offizier.
Er feiert mit seiner Gemeinde heimlich den Gottesdienst.
Die erst im 12. Jhdt. entstandene Legende der Jungfrauenrettung in Silena (Libyen), wonach er den menschenverschlingenden Drachen besiegt und die der Opferung preisgegebene Prinzessin befreit, findet in der Vorstellung noch in seiner Militärzeit statt.
Danach quittiert er den Dienst und bekennt sich offen zum Christentum. Er weigert sich, den römischen Kaiser Diokletian als Gott anzubeten. Bei diesem Streit lässt ihn Diokletian abführen und einsperren.
Die Folter erzählt der/die Erzähler/in. Sie wird ebenso wenig wie die Enthauptung gespielt. Die Vorstellung endet mit den Verehrungen Georgs in Lydda (heute Lot in Israel) vor 1600 Jahren und heute in orthodoxen Kirchen.
Wissenswertes
Frühlingsheiliger
Gedenktag: 23. April
Volksbrauchtum
Georg ist durch das Volk (Vox populi / Akklamation heiliggesprochen.
Im 4. Jhdt. begann seine Verehrung in Lydda (Palästina) sehr bald nach seiner Hinrichtung.
Patron: Er ist heute ein globaler Schutzpatron mit vielen Aufgaben.
Landespatron von England, Georgien und Katalonien
Schutzherr von Rittern, Reitern, Bauern und Pfadfindern
Einer der 14 Nothelfer in der. röm.-kath. Tradition; er hilft gegen Krankheiten und Kriegsgefahr.
Orthodoxe christliche Kirchen: einer ihrer wichtigsten Heiligen
Islam: als Prophet Circis oder Al Khader verehrt
Georgswasser: Es verleiht Schönheit, Gesundheit und Jugend.
Georgskränze: Sie schützen vor dem Bösen, Hexerei und Krankheiten.
Historizität – Vita, eher Legende
Seine tatsächliche Existenz ist historisch kaum belegt. Doch gibt es Fixpunkte der Überlieferung. Er lebte im 3./4. Jhdt. in Rom, wo er ein hoher Offizier (Tribun oder Zenturio) im Heer von Kaiser Diokletian war. Als solcher besaß er das römische Bürgerrecht. Er stammte wahrscheinlich aus Kappadokien, der heutigen Türkei, und wuchs in einer christlichen adligen Familie auf. Sein Vater soll Provinzgouverneur gewesen sein. Er war Christ, weigerte sich seinem Glauben abzuschwören, den Kaiser und die römischen Götter anzubeten und klagte den Kaiser und andere hochgestellte Persönlichkeiten wegen ihres Christenhasses und der -verfolgungen an. Er wurde ca. 303 – 305 deswegen verurteilt und enthauptet. Die Kreuzigung blieb ihm als Bürger Roms erspart. Diese durften keine demütigende oder qualvolle Todesstrafe erleiden.
Rezeption und Ikonographie
Die „Legenda aurea“, eine mittelalterlichen Sammlung von Heiligenerzählungen, berichtet im 12. Jhdt. zum ersten Mal in Europa von Georgs Kampf mit dem Drachen. Nach dieser Legende befreite Georg die Stadt Silena in Libyen von einem Drachen, der täglich Menschenopfer erhielt, damit er nicht die gesamte Stadt vernichtete. Georg besiegte das Tier im Namen und mit Hilfe Jesu Christi. Daraufhin ließ sich die gesamte Bevölkerung taufen. Der Drache wird heutzutage oft als Symbol für das Böse oder das Heidentum interpretiert.
Georgskreuz: Es ist ein durchgehendes rotes Kreuz auf weißem oder silbernem Grund. Im 12. Jhdt. wurde es zum Symbol der Kreuzritter. Heute wird das Georgskreuz auch in vielen Flaggen verwendet, z. B. in der englischen Nationalflagge.
Darstellungen von Georg: Wandmalereien ab dem 6. Jhdt. und die christliche Kunst der Ostkirchen in Ägypten, Byzanz, Georgien, Griechenland und Russland zeigen Georg als römischen Soldaten. Er trägt einen ledernen Brustpanzer, einen roten langen Militärmantel und römische Soldatenstiefel oder Beinschienen. Nie wird er mit einem Drachen gemalt, da die Legende viel später entstanden ist.
Im Mittelalter und in der Renaissance war es im Westen die übliche künstlerische Arbeitsweise, historische Personen in der Mode der eigenen Gegenwart darzustellen. Um während der Kreuzzüge Georg als unbesiegbaren Kämpfer für Christus zu stilisieren, ist er in den Bildern des Hoch- und Spätmittelalters in die ritterliche Plattenrüstung gekleidet.
Im Westen gibt es ab dem 19. Jhdt. im Rahmen des Historismus historisch korrekte Darstellungen des heiligen Georg.

Inhalt
Franz´ Liebe zu den Tieren und auch seine Fähigkeiten, sie zu verstehen und zu heilen, waren schon zu seinen Lebzeiten sehr bekannt. Die Kinder spielen viele verschiedene Tiere. 1 Kind spielt Franz von Assisi. Es liest Franz´ Bekenntnis zu den Tieren vor. Danach erzählt der/die Erzähler/in aus dem Leben von Giovanni Bernadone, so der bürgerliche Name vom heiligen Franz. Die Kinder spielen die Szenen.
Franz war als junger Mann ein geschickter Kaufmann, der viel Geld verdiente. Er verprasste es mit Freunden bei Trinkgelagen und beim Glücksspiel. Er war auch sehr wild und wollte unbedingt ein Ritter werden. So zog er als Soldat für die Stadt Assisi in den Krieg. Er geriet schwer verwundet in Gefangenschaft. In seinen Fieberträumen zeigte ihm Gott seine Bestimmung.
Die Legende berichtet, dass er 1208 während einer Messe Gottes Stimme vernommen hätte. Sie befahl ihm, in Nachfolge der Apostel ein gottgefälliges Leben zu führen. So nahm er den Namen Franziskus an, lebte zunächst als Eremit und zog dann als Wanderprediger durch Umbrien. Es schlossen sich ihm einige Brüder an. Sie wurden als der „Orden der minderen Brüder“ von Papst Innozenz III. bestätigt. Franz von Assisi wurde auch zum Kirchenretter. Wie er das getan hat, erfahrt und spielt ihr in der Vorstellung.
Wissenswertes
Herbstheiliger
Gedenktag: 4. Oktober, Welttierschutztag
Volksbrauchtum
Ab 1210 eilten ihm die Menschen entgegen, wenn er in eine Stadt kam, jubelten ihm zu, schwangen Palmwedel und läuteten Glocken.
Patron: gegen Kopfschmerzen und Pest
für arme Menschen, Tiere und Umweltschutz
für Sozialarbeiter/innen, Schneider/innen, Weber/innen, Flachs-, Tapeten- und Tuchhändler/innen sowie Kaufleute
Nationalheiliger Italiens
Schöpfungszeit: Seit 2007 gibt es in ganz Europa den Besinnungsmonat „Schöpfungszeit“. Er dauert vom 1. September – 4. Oktober. Franz von Assisi hat darin als „Öko-Heiliger“ einen besonderen Ehrenplatz.
Veranstaltungen: Sie beinhalten u. a. Rezitationen seines Sonnengesangs und seiner Vogelpredigten. In Assisi brennen viele Öllampen auf den Straßen.
Anfang Oktober ehren ihn Tierschützer/innen weltweit, indem sie auf Probleme von Tieren aufmerksam machen.
Haustiersegnungen: Es gibt sie weltweit bei Gottesdiensten.
Historizität – Vita
Seine Lebensgeschichte heißt hier nicht Biografie, sondern Vita, weil sich zahlreiche Legenden unter die historischen Tatsachen mengen.
Der genaue Geburtstag von Giovanni Bernadone ist nicht bekannt.
1181/1182 kam Giovanni in Assisi zur Welt.
1202 – 1204 führten Assisi und Perugia gegeneinander Krieg. Giovanni war als besiegter Soldat ein Jahr in Kriegsgefangenschaft.
1204 kehrte er heim.
1205/6 machte er eine Wallfahrt nach Rom.
Die Legende berichtet, dass er seine Kleider gegen die eines Bettlers getauscht und versucht habe, in Armut zu leben, indem er die Waren seines Vaters, eines reichen Kaufmanns, an Arme verschenkt habe.
1206/7 trennte er sich endgültig von seiner Familie, verzichtete auf sein reiches Erbe und wurde zum Ritter Gottes.
Er zog als Wanderprediger durch Umbrien und lebte oft als Einsiedler. Von nun an nannte er sich Franziskus, in der Bedeutung der Freie.
1210 bestätigte Papst Innozenz III. seinen Orden der „Minoriten“. Die erste Ordensregel der Minoriten enthielt das Evangelium, die Kreuzesnachfolge und die Liebe zur Armut, zu Armen und Kranken. Die Brüder, die strikt auf jedes Eigentum verzichtet hatten, erhielten die Bettelerlaubnis, ein außerordentliches Privileg zu der damaligen Zeit.
1224 erschienen an Franz, dessen größter Wunsch es war, Jesus immer ähnlicher zu werden, die Stigmata.
1226 ist er am 3. Oktober im Kloster Portiuncula verstorben.
1228, so bald nach seinem Tod, hat ihn Papst Gregor IX. heiliggesprochen.
Franziskus hat viele wunderbare Aphorismen, Gedichte und begnadete Texte geschrieben.
Rezeption und Ikonographie
1228: Das ältestes Bild von Franziskus ist ein Fresko im Sacro Speco in Subiaco.
Attribute: Büßergewand mit dem Tau-Kreuz der Franziskaner, einstürzendes Haus, Erdkugel, Lamm, Lilienstab, Reichsapfel, Wolf von Gubbio, Vögel, 6-flügelige Engel, Stigmata und Totenkopf
In der christlichen Ikonographie ist der Wolf von Gubbio das Erkennungsmerkmal schlechthin von Franz von Assisi. Entweder gibt ihm der Wolf die Pfote oder er liegt zu seinen Füßen.

Inhalt
Die Vorstellung beginnt mit dem von dem/der Erzähler/in gesprochenen Lebensmotto Don Boscos: „Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen.“
Einige Episoden aus dem Leben Don Boscos spielen die Kinder, nachdem der/die Erzähler/in sie gefragt hat, ob sie das möchten.
Giovanni Melchiorre Boscos, so der bürgerliche Name des späteren Don Bosco, Vater starb in Giovannis 3. Lebensjahr. Seine Mutter Margareta war eine tiefgläubige Frau, die ihm und seinen beiden älteren Brüdern beibrachte, stets im Vertrauen in Gott zu leben.
Nach einer Traumvision, die Don Bosco mit 9 Jahren hatte, stand für ihn fest, dass er Priester werden wollte.
Weil seine Mutter und er zu arm für die Ausbildung waren, machte er zunächst eine Schneiderlehre. Endlich, besuchte Giovanni doch ein Priesterseminar und erreichte sein Ziel, Priester zu sein. Seine erste Arbeitsstätte war Turin. Dort gründete er Oratorien, Häuser, in denen Straßenkinder und Jugendliche Aufnahme fanden, sowie Essen und Unterricht im Glauben erhielten.
Wissenswertes
Winterheiliger
Gedenktag: 31. Jänner
Historizität – Biografie
Alles hier Erzählte entspricht mit Ausnahme des ausdrücklich als Legende ausgewiesenen Berichtes den Tatsachen. Da diese Legende geplanterweise nicht in der Vorstellung vorkommt, handelt es sich bei Don Boscos Lebensgeschichte um eine Biografie.
1815, am 16. August, wurde Giovanni Melchiorre Bosco als jüngster von 3 Brüdern in Becchi bei Turin geboren.
1824 hatte er seine Berufungsvision im Traum. Gott rief ihm zu, die Straßenbuben durch Liebe, Güte und Milde als Freunde zu gewinnen. Er sollte sie für vermeintliche Missetaten nicht bestrafen.
Die Legende erzählt, dass Giovanni Bosco als Kind und Jugendlicher ein sehr begabter Akrobat gewesen sein soll; er hätte Zaubertricks beherrscht und sein Publikum als Jongleur begeistert. Der Eintrittspreis für die Vorstellungen im Garten hinter seinem Elternhaus war das gemeinsame Gebet oder die Wiederholung der Sonntagspredigt. So war er schon lang vor seiner Priesterausbildung im Sinne Gottes tätig.
1841 empfing er die Priesterweihe. Er ließ danach zunächst in Turin Jugendzentren (Oratorien), Schulen, Wohnheime und Lehrwerkstätten errichten. Er entwickelte basierend auf Alfons-Maria von Liguori seine eigene Moraltheologie zur Rettung der Jugend. Indem er das Präventivsystem dem Repressivsystem vorzog, stellte er sich gegen die Sittenlehre des Kirchenkonvents „Convitto Ecclesiastico“, wo er nach der Priesterweihe weiter studierte.
1859 gründete er den Orden „Salesianer Don Boscos“ (SDB), die Gründung des Ordens „Don-Bosco-Schwestern“ folgte.
1888, am 31. Jänner, starb Don Bosco. 1934 bestätigte Papst Pius XI. seine Heiligkeit.
Die Salesianer, Männer und Frauen, Geweihte und Laien, sind bis heute ein weltweit mächtiges Hilfswerk mit großem Engagement für sozial und finanziell marginalisierte Jugendliche.
Volksbrauchtum
Patron: Jugend, Lehrlinge und Zauberkünstler
Die lebendigen Traditionen, vor allem in Italien und in den weltweiten Salesianischen Gemeinschaften, finden Ende Jänner, rund um seinen Gedenktag am 31. Jänner, statt.
Spielefeste: für Kinder, Zauber- und Zirkusshows
Pane di Don Bosco: Es ist ein einfaches süßes Brot, das besonders im Piemont gebacken wird. Es wird an Kinder verteilt und soll an die Armenfürsorge erinnern.
Segnungen: In vielen Pfarren gibt es Ende Jänner Segnungen für Lehrlinge, Auszubildende und junge Berufstätige.
Don Bosco Feuer: Am Abend des 30. Jänner werden in manchen italienischen Dörfern Lagerfeuer entzündet und Fackelzüge veranstaltet. Sie bringen das Licht und stärken die Gemeinschaft.
Rezeption und Ikonographie
Statue in der Kirche San Tommaso da Villanova in Castel Gandolfo bei Rom
Lebensmotto: „Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen.“
Lebenswerk: Sein reiches Schriftwerk ist in der „Documenta Catholica Omnia“ auch online zu lesen.
Wahlspruch: „Gib mir Seelen, alles andere nimm.“ (Gen 14,21) Bei der Priesterweihe hat er sich dafür entschieden.
Darstellung: Wegen der historischen Nähe sind die Darstellungen sehr realistisch, meist mit vielen Kindern und Jugendlichen.
Attribute: Kleidung in schwarz, Soutane mit Halsbinde und dreieckige schwarze Priestermütze – oft in der Hand gehalten, ein Buch – symbolisiert seine pädagogische Arbeit
Maria, Hilfe der Christen: Auf großen Gemälden kniet er vor einem Marienbildnis. Er hat seine Arbeit unter ihren Schutz gestellt.

Inhalt
Barbaras Leidensweg begann, als sie ihr eifersüchtiger Vater, der ihre Heirat verhindern wollte, in einen Turm sperren ließ.
Sie fand zum christlichen Glauben und empfing die Taufe in der Badewanne. Sie ließ den Turm während einer längeren Abwesenheit ihres Vaters aufwendig umbauen. Der Turm erhielt drei Fenster als Symbol für die Dreifaltigkeit. Es wurden kostbare goldene Kreuze und ein Altar aufgestellt.
Als der Vater bei seiner Rückkehr entdeckte, was hinter seinem Rücken geschehen war, wollte er seine Tochter durch zwei Büttel dem Statthalter übergeben lassen. Barbara entfloh und versteckte sich mit Hilfe eines Hirten in einer Höhle. Der Hirt verriet sie. Sie wurde zum Vater zurückgebracht, der Stadtwache übergeben, eingekerkert, gefoltert und zum Tod verurteilt. Sie hielt trotz aller Widerstände treu an ihrem Glauben fest. Sie wurde nackt zur Schau gestellt und schließlich von Dioscuros, ihrem Vater, enthauptet.
Barbara stand die ganze Zeit ihres Martyriums unter Jesu Christi und Gottes Schutz. Jesus heilte ihre Wunden, Gott Vater verbarg ihre Nacktheit mit einer Wolke vor den Augen des Volkes.
Einige Rollen und beschriebene Szenen spielen die Kinder. Ein wesentlicher Part, besonders für das (auch nichtchristliche) Volksbrauchtum, ist der Zweig, der Barbara im Gefängnis Hoffnung gespendet hat. Von Folter und Tod wird erzählt.
Wissenswertes
Herbstheilige
Gedenktag: 4. Dezember
Volksbrauchtum
Barbara ist durch das Volk (Vox populi / Akklamation) heiliggesprochen.
Barbara spielt im Volksbrauchtum seit dem 7. Jhdt. bis heute in der röm.-kath. und der griechisch-orthodoxen Kirche eine sehr große Rolle.
Nothelferin und Patronin: Sterbende, Bergleute, Knappen und Artilleristen
Barbaralicht: Bergleute erhalten am 4. Dezember das Barbaralicht. Es bewahrt sie vor Unglück.
Barbarazweig: Sehr viele Menschen, auch Nichtchristen, stellen am 4. Dezember, Kirsch- oder Apfelbaumzweige in der Stube in Wasser. Blühen sie zu Weihnachten, bringt das Glück. Diese Barbarazweige waren angeblich Vorläufer des Weihnachtsbaumes.
Gabenbringerin: Sie war eine der frühesten Gabenbringerinnen und kommt heute vielerorts zusammen mit dem heiligen Nikolaus.
Statuen und Altäre: sehr zahlreich bes. in Bergbaugebieten (Erzberg)
Historizität – Legende
Wegen mangelnder historischer Nachweise wurde Barbara 1969 aus dem Festkalender der röm.-kath. Kirche ausgetragen. Sie ist bei den Gläubigen so beliebt gewesen, dass sich auf deren heftigen Protest die röm.-kath. Kirche entschlossen hat, sie in das „Martyrologium Romanum 2001/2004“ aufzunehmen.
Rezeption und Ikonographie
Sie ist als eine der 4 vorzüglichen heiligen Jungfrauen – Virgines Capitales, Barbara, Dorothea, Katharina, Margareta, der röm.-kath. Kirche und abendländischen Ikonographie bekannt. Alle 4 waren Märtyrinnen des frühen Christentums.
Die Virgines Capitales sind nicht mit den 4 prophetischen Jungfrauen zu verwechseln. Laut Apostelgeschichte 21,8–9 hatte der Apostel Philippus 4 unverheiratete Töchter, die Prophetinnen gewesen waren. Sie sollen ein gottgeweihtes, asketisches Leben als Jungfrauen geführt haben. Die Bibel nennt sie nicht namentlich, doch erhielten sie in der kirchlichen Tradition die Namen Hermione, Irais, Chariline und Euchidia.
Attribute: Turm mit drei Fenstern, Laterne (Bergmannslicht), Schwert, Kelch, Hostie, Fackel oder Kanonenrohr, Schlägel und Eisen sowie Hammer oder Geißel

Inhalt
Der böse Wolf ist in Morkies „Rotkäppchen“ eine alleinerziehende Mutter von 3 Welpen. Sie erwischt ihre Jungen beim vergnügten Spiel mit Rotkäppchen und verscheucht sie in die Wolfshöhle, da Wölfe nicht mit Menschen befreundet sein sollen. Sie werden sie schließlich später fressen (müssen). Die Kleinen sollen in der Höhle auf Mama Wolf warten.
Rotkäppchen kommt zur Großmutter. Die Wölfin hat sie schon gefressen und verspeist Rotkäppchen
als Nachtisch.
Der vorbeikommende Jäger schneidet beide unverletzt und unverdaut aus dem Bauch des Wolfes, füllt diesen mit Steinen und näht ihn zu.
Zuletzt ertrinkt die Wölfin im morkie nicht im Brunnen, weil der Jäger, Rotkäppchen und die Großmutter mit ihr und den Welpen Mitleid haben und sie aus dem Brunnen ziehen.
Wissenswertes
Märchentypus und -verzeichnisnummer
ATU 333 (Rotkäppchen / Little Red Riding Hood), KHM 26
Entwicklungsgeschichte des Märchens
Es ist eine archetypische Warn- und Initiationserzählung. Sie thematisiert Gefahren der Begegnung der kindlichen Unversehrtheit mit der sexuellen Triebwelt.
Ältere Versionen des Themas sind „Le Petit Chaperon Rouge“, 1697, Charles Perrault. Sein Kunstmärchen endet tragisch mit dem Tod des Mädchens als moralische Warnung vor lüsternen Männern.
„Leben und Tod des kleinen Rotkäppchens“, 1800, Ludwig Tieck. Seine Tragödie beruht auf Perrault. Er ironisierte die Geschichte und führte den Jäger ein, der den Wolf tötet.
Die Brüder Grimm (1812) übernahmen die glückliche Rettung durch den Jäger. Die Letztveröffentlichung der Brüder Grimm aus dem Jahr 1857 stellt die beiden Frauen selbständiger dar. Sie überlisten den Wolf gemeinsam ohne männliche Hilfestellung.
Die obige Inhaltsangabe vermischt Grimms Originalversion aus 1812 mit Morkies auf die unterschiedlichen sozialen Beziehungsbedingungen für Kinder und Erwachsene fokussierte Sichtweise.
Figurenkonstellation und Charakteristika
Rotkäppchen: naiv, neugierig, unschuldig, sie befindet sich in der Pubertät und lässt sich leicht von äußerer Schönheit (Blumen) blenden.
Jäger: Über-Ich, schützende, ordnungshütende väterliche Instanz der Zivilisation
Symbole und ihre Wirkmacht im Originalmärchen
Kuchen/Wein: Abendmahlsymbole, Stärkung der alten Menschen durch die jungen
Rote Kappe: Sie lässt Rotkäppchen auffallend erscheinen, symbolisiert das sexuelle Interesse des Mädchens und die Sünde im Generellen.
Wald: Unbewusstes, Wildes, Ungezügeltes
Weg abkommen: Sündenfall
Wolf: das Es, die Triebhaftigkeit, Verführung, sexuelle Gefahr und Täuschung
Steine im Bauch: Last der Schuld, Endgültigkeit des Todes
Moderne Interpretationen: Film
„Red Riding Hood“, 2011, düsterer Werwolf-Thriller mit Fokus auf jugendliche Romantik
Neugestaltungen des Klassikers: Bühne
„Was wird aus Rotkäppchen – Wird was aus Rotkäppchen?“, 1980er Jahre, Jörg Maria Berg, Franz Strohmer, Theaterring Wieselburg, Mobiles Schultheater
Postmoderne Experimente, Literatur und Retellings
„Revolting Rhymes“, Roald Dahl, Rotkäppchen erschießt den Wolf, weil es einen Pelzmantel möchte.

Inhalt
Das Märchen ist eine Sozialutopie über Solidarität, Alter und Selbstermächtigung.
Esel, Hund, Katze und Hahn sind alt und wegen ihrer mangelnden Arbeitskraft nutzlos geworden. Sie retten sich durch die gemeinsame Flucht vor dem Verhungern oder der Schlachtung. Auf dem Weg nach Bremen entdecken sie in der Nacht im Wald ein Räuberhaus mit sehr vielen Vorräten. Sie schlagen die Räuber in die Flucht und besetzen das Haus, wo sie auf Dauer bleiben. Bremen erreichen sie nicht.
Wissenswertes
Märchentypus und -verzeichnisnummer
ATU 130 (Die Tiere im Nachtquartier), KHM 27
Entwicklungsgeschichte des Märchens
Es handelt sich um ein weit verbreitetes europäisches Motiv, wobei oft auch andere Tiere, Schafe oder Schweine, die Rollen übernehmen. Die Familie von Haxthausen übermittelte den Brüdern Grimm die Erzählung.
Figurenkonstellation und Charakteristika
Räuber: Sie sind die parasitäre Schicht, die unverdienten Reichtum anhäuft, aber feige flieht, sobald das Unbekannte droht.
Symbole und ihre Wirkmacht im Originalmärchen
Räuberhaus: Umverteilung von Besitz, Enteignung von Kriminellen zur eigenen Altersversorgung, da in Eigenermächtigung, eine ebenfalls kriminelle Handlung
Tiere: Sie sind das ausgemusterte Proletariat oder alte, mittellose, marginalisierte Menschen, dennoch mit Lebenswillen und -mut, mit Würde, Erfahrung und dem Rest an Kraft, um sich doch noch erfolgreich zur Wehr und durchzusetzen. Synergetisch und solidarisch können sie gemeinsam, obwohl einzeln schwach und ausgeliefert, die optisch-akustische Illusion eines unbesiegbaren Riesen erschaffen.
Bremen: Die Stadt wurde mit der Freiheit, der Gleichheit vor dem Gesetz und dem Fehlen des feudalen Zwangs verbunden, weil sie im 19. Jhdt. eine freie Bürgerstadt war.
Moderne Interpretationen
Das Märchen ist in seiner Gesamtheit ein politisches Symbol. Es gilt als Ur-Gleichnis für gewerkschaftliche Organisation und solidarisches Handeln nach dem Motto: „Gemeinsam sind wir stark“.
1953, Gerhard Marcks, Bronzestatue, sie steht links vom alten Rathaus und wurde zum weltberühmten Wahrzeichen der Stadt. Das Berühren der Vorderbeine des Esels soll Glück bringen.

Inhalt
Aschenputtel ist in den morkie-Vorstellungen sehr selbständig. Sie kann reiten und Bogen schießen, wie in der tschechischen Variante „Aschenbrödel und die drei Haselnüsse“. Die gläsernen Schuhe kommen in Walt Disneys „Cinderella“ vor. Die Täubchen helfen „Aschenputtel“ in der deutschen Fassung. Zehen und Fersen beider Stiefschwestern bleiben aber dran.
Aschenputtel wächst zunächst in behüteten, reichen Verhältnissen auf. Als ihre Mutter stirbt, heiratet ihr Vater eine Witwe mit 2 Töchtern. Aschenputtel wird zur Küchenmagd. Sie pflanzt einen Haselnusszweig auf das Grab der Mutter. Ihre Tränen lassen einen Baum wachsen. Darin nisten bald 2 weiße Tauben. Sie spenden ihr Trost und werden ihre Freunde.
Zu den drei Ballabenden, die der König für den Prinzen gibt, damit er sich eine Frau aussuchen solle, lässt die Stiefmutter Aschenputtel nicht gehen. Mit Hilfe der Haselnüsse, oder der Tauben oder einer Fee, die ihr eine Kutsche herbeizaubert, kommt Aschenputtel doch zu den Ballveranstaltungen. Der Prinz erwählt sie sich, begibt sich nach den Festen auf die Suche, findet sie mit Hilfe des Schuhs und heiratet sie.
Wissenswertes
Märchentypen und -verzeichnisnummer
ATU 510A (Aschenputtel / Cinderella), ATU 510 (Die verfolgte Heldin / The Persecuted Heroine), ATU 480 (Die gute und die schlechte Schwester / The Kind and the Unkind Girls), KHM 21
Entwicklungsgeschichte des Märchens
Es ist das universelle Märchen über Trauerprozesse. Aschenputtel besitzt innere Reinheit, Selbstbewusstsein und eine enge spirituelle Verbindung zu ihrer verstorbenen Mutter. Diese Konstellation ermöglicht ihr den sozialen Aufstieg, trotz Demütigungen und struktureller Unterdrückung.
Der Plot existiert schon seit der Antike, z. B. in der Erzählung „Rhodopis“, 1. Jhdt. v. Chr., Ägypten.
Ebenfalls schon sehr alte Vorläufer sind die Erzählungen „Cenerentola“, 1634, Giambattista Basile und „Cendrillon ou la petite pantoufle de verre“, 1697, Charles Perrault. Er erfand die gute Fee mit ihrem Zauberstab, die Glasschuhe, den Kürbis und seine Verwandlung in die Glaskutsche, die Ratte, die zum Kutscher wird, 6 Lakaien, die vorher Eidechsen gewesen waren, und die in Pferde verwandelten 6 Mäuse.
„Aschenputtel“, 1812/1857, Grimm.
Sie wählten die deutlich blutigere Version mit Natur- und Grabmagie sowie abgetrennten Körperteilen.
Figurenkonstellation und Charakteristika
Aschenputtel: Sie ist in allen Versionen sehr resilient. Sie nimmt ihr Schicksal trotz aller Widrigkeiten und Widerstände der Stiefschwestern und der Stiefmutter selbst in die Hand.
Stiefmutter & -schwestern: Sie sind narzisstische, sadistische und neidige Emporkömmlinge. Sie tun alles, zahlen sogar den Preis der Selbstverstümmelung, für einen höheren sozialen Status, mehr Macht und mehr Geld.
Vater: schwach, selbstsüchtig, unloyal zu seiner leiblichen Tochter, verräterisch
Symbole und ihre Wirkmacht im Originalmärchen
Asche: Trauer, Reinigung, Tod und Wertlosigkeit; wer in der Asche sitzt, ist sozial tot, regeneriert sich aber spirituell.
Grabbaum: Verkörperung der Seele der verstorbenen Mutter
Linsen sortieren: Unterscheidungskraft, Gut von Böse/Schlecht trennen
Schuh: passgenaue Identität, Würde und sexuelle Reife; Gold und Glas stehen für das Königliche.
Tauben: Göttliche Vorsehung, Naturmächte
Moderne Interpretationen Filme, Psychologie
„Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“, 1973, CSSR und DDR
„Cinderella“, 1950, Disney, Zeichentrick, Übernahme und Adaptierung der Elemente von Perrault, 4 der Mäuse, darunter Cinderellas namentlich bekannte Freunde Jaq und Bus (Karli), werden zu 4 prächtigen Schimmeln. Sie ziehen die Kürbiskutsche. Cinderellas „echtes“ Pferd Major, das im Stall steht und davon träumt, ein edles Ross zu sein, wird statt der Ratte zum stolzen Kutscher. In den Diener verwandelt die Fee Cinderellas Hund Bruno und bekleidet ihn mit einem roten Frack.
„Cinderella“, 2015, Disney, Realfilm
„Aschenputtel-Komplex“, Colette Dowling, ist die unbewusste Angst von Frauen vor der Unabhängigkeit. Sie möchten gerettet werden.

Inhalt
Das Märchen „Frau Holle“ ist eine Gerechtigkeits- und Initiationserzählung auf Basis des Leistungsprinzips, die durch den kontrastierenden Vergleich zweier Schwestern zeigt, dass Altruismus und Fleiß metaphysisch belohnt werden, während Faulheit und Egoismus zur Selbstbestrafung führen.
Eine Witwe bevorzugt ihre hässliche und faule leibliche Tochter und lässt ihre schöne und fleißige Stieftochter alle Arbeiten verrichten. Beim Spinnen sticht sich die Fleißige, die Spule fällt in den Brunnen. Auf Befehl der Stiefmutter springt sie hinterher und erwacht auf einer himmlischen Wiese. Von dort beginnt sie eine Wanderung. Auf dem Weg rettet sie Brote und Äpfel. Dann gelangt sie zu Frau Holle. Ihr hilft sie ein Jahr lang im Haushalt. Zum Abschied wird sie mit einem Goldregen überschüttet.
Ihre Schwester, die sich ebenso viel Gold wünscht, macht sich auf den gleichen abenteuerlichen Weg. Sie verweigert den Broten und dem Apfelbaum die Hilfe und Frau Holle die Arbeit. Zur Strafe wird sie mit Pech überschüttet, das lebenslang an ihr kleben bleibt.
Wissenswertes
Märchentypus und -verzeichnisnummer
ATU 480 (Die beiden Mädchen), KHM 24
Entwicklungsgeschichte des Märchens
„Frau Holle“ ist nach dem Vorbild der altgermanischen Naturgöttin Holda entstanden. Sie hieß auch Frigg oder Perchta und war die Herrscherin über die Seelen ungetaufter Kinder. Sie kontrollierte die Fruchtbarkeit des Landes und das Wetter. Dorothea Viehmann war die wichtigste Quelle für die Zweitauflage von „Frau Holle“ der Brüder Grimm im Jahr 1819.
Es gibt zahlreiche parallele Märchen mit derselben Thematik.
„Les Fées“, „Die Feen“, Charles Perrault, Frankreich; Dem einen Mädchen fallen Perlen, dem anderen kriechen Schlangen aus dem Mund.
Das russische Volksmärchen „Morozko“, „Väterchen Frost“; Der mächtige Herr des Winters fragt Nastenka, die ihr eigener Vater im Wald ausgesetzt hat, damit sie erfrieren solle, ob ihr kalt wäre. Da sie nicht klagt, sondern die Eiseskälte des Naturgeistes tapfer erträgt, beschenkt er sie reich. Ihre Stiefschwester Marfuschka, ausgeschickt, den gleichen Reichtum zu erhalten, beklagt sich bei Morozko bitter über die Kälte. Deshalb muss sie im Wald erfrieren, statt Juwelen zu bekommen.
Die „Eidechse“ oder „Der Eimer“, Italien.
Figurenkonstellation und Charakteristika
Frau Holle: Sie ist die Chthonische Mutter, eine mütterliche Richter- und Naturgottheit. Irdische Dualität oder Ambivalenz ist ihr fremd. Sie belohnt und bestraft nach absoluten Maßstäben von Gut und Böse, wenn man so will, nach dem kosmischen Prinzip der Gerechtigkeit.
Goldmarie: Sie ist die pflichtbewusste, demütige, empathische, fleißige, freundliche Heldin.
Pechmarie: egoistisch, gleichgültig, faul, gierig, nicht die Gegenspielerin, aber das Gegenteil der Heldin
Symbole und ihre Wirkmacht im Originalmärchen
Apfelbaum: Symbol der Natur (Ernte), testet die Bereitschaft zur Bewahrung des Lebens
Aufschütteln: makrokosmische Verbindung von Alltagsarbeit mit Naturphänomenen
Brot: Symbol für Kultur (Backen), testet die Bereitschaft zur Bewahrung des Lebens
Brunnen: Tor zum Jenseits, zur Unterwelt und zum kollektiven Unbewussten
Gold / Pech: unvergängliche innere Werte und spirituelles Licht / Schande, Schuld und Dunkelheit
Moderne Interpretationen, Literatur
Ökologische Deutung: Frau Holle ist eine Allegorie auf Mutter Erde. Der rücksichtslose Umgang mit Ressourcen – verkörpert durch Pechmaries Verhalten beim Backofen und Apfelbaum und ihre Sorglosigkeit gegenüber ihrer Verantwortung für das Wetter durch das Nicht-Aufschütteln der Betten – führt zum ökologischen Kollaps.
Pädagogik: Die Verurteilung der Faulheit bei gleichzeitigem Lob der Selbstaufopferung sind der Main-Stream-Pädagogik des 21. Jahrhunderts ein Dorn im Auge.

Inhalt
König Drosselbart möchte die Prinzessin heiraten. Sie weist ihn, genauso wie alle anderen Bewerber um ihre Hand, hochmütig ab und verspottet ihn. Durch die Armut, nachdem sie ihr Vater zornig verstoßen und mit dem Erstbesten verheiratet hat, und die daraus resultierende harte Arbeit (kochen, spinnen, Töpfe auf dem Markt verkaufen, Dienst leisten als Magd im Schloss) an der Seite des als fahrender Spielmann verkleideten Drosselbarts reift sie von einem arroganten, verwöhnten Kind zu einer erwachsenen, vernünftigen Frau heran. Zuletzt gibt sich Drosselbart zu erkennen und sie wird Königin in seinem Land.
Es ist die originalgetreueste Grimm-Märchen-Bearbeitung von Morkie. Allerdings unterwirft sich die Prinzessin nicht. Sie entwickelt sich, wird lebenserfahrener und entscheidet sich zuletzt bewusst für ihren Mann.
Wissenswertes
Märchentypus und -verzeichnisnummer
ATU 900 (König Drosselbart / Die widerspenstige Frau, King Thrushbeard / The Shrewish Wife), KHM 52
Entwicklungsgeschichte des Märchens
Das Motiv der Zähmung einer widerspenstigen Frau ist bereits sehr alt, z. B. Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung“. Die Brüder Grimm kombinierten für ihre Version der 1812 erstmals erschienenen Kinder- und Hausmärchen Erzählungen aus dem Kreis um die Familien Haxthausen und Wild.
Figurenkonstellation und Charakteristika
König Drosselbart: Er ist um einiges älter als die Prinzessin, erfahren und geduldig, aber auch gewalttätig und manipulativ. Er wird zunächst zu ihrem Erzieher. Bis zuletzt, zum scheinbaren Happy End der großen Hochzeit in seinem Schloss, ist er ihr kein Partner auf Augenhöhe, da sie sich ihm unterwirft. Um dieses Ziel zu erreichen, spielt er ihr die verschiedensten Rollen (Spielmann, betrunkener Husar) vor.
Prinzessin: Sie ist narzisstisch, oberflächlich, eitel und arrogant, ein verzogenes Gör, das sich durch angeborenen Status und Reichtum definiert. Der vom Vater herbeigeführte soziale Abstieg lehrt sie, sich mit anderen Lebensbedingungen zu arrangieren. Sie gibt auf, und unterwirft sich, wie in patriarchalen Interpretationen, oder sie nimmt die Gelegenheit wahr, selbst persönlichkeitsentwickelnd aktiv zu werden.
Vater/König: Er ist ein schwacher Mann, der in seiner Erziehungsunfähigkeit letztendlich aufgibt und seine Tochter der Macht eines Ehemannes überantworten möchte. Auch darin scheitert er und nutzt seine formelle, absolute Macht als Vater und als König, um den Willen seiner Tochter gewaltsam zu brechen.
Symbole und ihre Wirkmacht im Originalmärchen
Drosselbarts Kinn: Das schiefe Kinn oder der typische, unkleidsame Bart des Königs stehen für die allen Menschen eigene Fehlerhaftigkeit, mag diese auch noch so geringfügig und unwesentlich sein. Die Unfähigkeit der Prinzessin, diese bei ihm, wie auch bei allen anderen Freiern zu akzeptieren, zeigt ihren mangelnden Realitätssinn.
Küchenarbeit, Spinnen: Sie stellen den Gegensatz zwischen dem Lebensstil der Aristokratie und der realen Lebenswelt der sehr großen Mehrheit der armen Bevölkerung dar.
Zerbrochene Töpfe: Sie zeigen den emotionalen Tiefpunkt der Prinzessin. Sie sieht ihr Leben als Scherbenhaufen vor sich.
Moderne Interpretationen: Fernsehen
2008, ARD-Verfilmung, die moderne, eigenständige Prinzessin wehrt sich gegen die arrangierte Ehe.
Neugestaltungen des Klassikers: Bühne
Moderne Theaterinszenierungen stellen die Prinzessin als Frau dar, die eigenständig agiert, das Spiel durchschaut und sich bewusst für Drosselbart entscheidet.
Postmoderne Literatur
In der feministischen Literatur wird „König Drosselbart“ als Propaganda für reaktionäre Frauenbilder kritisiert. Der angeblich liebende Mann agiert auf vielfältige Weise gewalttätig, um seine Frau zu einem in seinen Augen besseren Menschen zu erziehen. Das bedeutet die Unterwerfung der Frau unter den Willen des Mannes.

Inhalt
Eine Königin, die bei der Geburt starb, hatte sich eine wunderschöne Tochter gewünscht. Die sehr eitle Stiefmutter, die der König bald darauf geheiratet hatte, frug jeden Tag ihren magischen Spiegel, wer die schönste Frau im Lande wäre. Bis zu Schneewittchens, ihrer Stieftochter, Pubertät, manchmal ist von ihrem 7. Geburtstag die Rede, nannte er ihr die Königin. Als er aber sagte, dass Schneewittchen schöner wäre als sie, wollte sie die Stiefmutter sofort töten lassen. Der mit dem Mord beauftragte Jäger oder Diener hatte mit dem Mädchen Mitleid, ließ es im Wald laufen und erschoss einen Hirsch/ein junges Wildschwein. Dessen Leber und Lunge oder nur das Herz brachte er der Stiefmutter, um Schneewittchens Tod zu beweisen. Die Königin aß die Organe.
Schneewittchen irrte allein im Wald umher, bis es zum Haus der 7 Zwerge kam. Sie nahmen das Mädchen auf. Es führte ihnen den Haushalt und erhielt dafür Unterkunft, Nahrung und Schutz.
Die Königin erfuhr eines Tages vom Spiegel, dass Schneewittchen am Leben wäre. Sie verkleidete sich und versuchte, es mit einem Gürtel, vergifteten Kamm und Apfel zu vergiften. 2 Mal konnten es die Zwerge retten. Nach dem 3. Versuch erwachte Schneewittchen nicht mehr. Die tieftraurigen Zwerge legten es in einen gläsernen Sarg und hielten abwechselnd Totenwache.
Eines Tages kam ein Prinz vorbei. Er verliebte sich in Schneewittchen und wollte es mit zu sich nach Hause nehmen. Beim Transport stolperte ein Sargträger. Dadurch hustete Schneewittchen ein Apfelstück, das ihm im Hals stecken geblieben war, aus und erwachte vom Tod. Der Prinz brachte es in sein Schloss, heiratete es und verurteilte die Stiefmutter zum Tod.
Wissenswertes
Märchentypen und -verzeichnisnummer
ATU 709 (Schneewittchen / Snow White), ATU 883 Die unschuldige Verleumdete (The Innocent Slandered Maiden), KHM 53
Entwicklungsgeschichte des Märchens
Bereits in der Mythologie der griechischen Antike gibt es mit „Chione“ Parallelen zu „Schneewittchen“.
Im 17. Jahrhundert schrieb Giambattista Basile in seinem „Pentamerone“ die älteste italienische Variante des Märchens. Sie heißt „La schiavottella“ – „Die kleine Sklavin“.
Die Brüder Grimm zeichneten die hessischen, oral tradierten Abwandlungen 1808 auf. Die Erstfassung erschien 1812. Bis 1857, als die Letztfassung veröffentlicht worden ist, haben sie etliche drastische Veränderungen vorgenommen. Die Bearbeitungen des Märchens „Schneewittchen“ zeigen deutlich die Entwicklung des Schaffens der Brüder Grimm. Sie entromantisierten das primäre Märchenfragment und machten ein Kunstmärchen daraus.
Die Erweckung Schneewittchens durch einen Kuss des Prinzen ist keine Erfindung der Brüder Grimm, sondern eine spätere.
Figurenkonstellation und Charakteristika
Prinz: Er ist nekrophil und erlöst Schneewittchen versehentlich durch einen gewaltsamen Transport.
Schneewittchen: Es ist schön, freundlich und arbeitsam, allerdings auch sehr naiv. Es sucht nach Bestätigung seiner Schönheit und nach Konsum.
Stiefmutter: Sie ist extrem narzisstisch. Ihr gesamter Selbstwert hängt von der Bestätigung des Spiegels ab.
Symbole und ihre Wirkmacht im Originalmärchen
Apfel: Die rote Seite steht für Verführung und reife Sexualität.
Berge: das Unzugängliche
Farben: Rot – Blut, Leben, Sexualität; Schwarz – Tod, Ebenholz; Weiß – Reinheit, Unschuld
Glassarg: Er umschließt das scheintote, jungfräuliche Schneewittchen. Auf diese Weise wird seine Kindheit in einer Vitrine erhalten und es vom realem Leben ferngehalten.
Sieben: Die Zahl steht für Planeten und Zeiteinheiten, sie symbolisiert hier eine kosmische Ordnung.
Spiegel: Er symbolisiert die patriarchale Umwelt, die Frauen auf ihr Äußeres reduziert.
Zwerge: Sie sind geschlechtslose Arbeitswesen im Bergbau. Sie bieten Überlebenssicherheit und Schutz, sonst nichts.
Moderne Interpretationen: Filme und Popkultur
„Snow White and the Seven Dwarfs“, 1937, Disney, erster abendfüllender Zeichentrickfilm, Prägung des globalen Bildes des Märchens
„Snow White and the Huntsman“, 2012, moderner Realfilm, Transformation Schneewittchens zur Rüstung tragenden Kriegerprinzessin
2001, Jörn Heitmann, Musikvideo für „Sonne“, Rammstein, Popkultur, Zwerge als drogenabhängige Goldgräber, Schneewittchen sadistische, riesige, dominante Herrscherin

Inhalt
Es war durch Missernten und Inflation zu einer großen Hungersnot gekommen. Ein Besenbinder hatte zwei Kinder, die er nicht mehr ernähren konnte. Seine 2. Frau, die Stief/mutter der Kinder, überredete ihn, sie im Wald auszusetzen. Sie sollten schauen, allein durchzukommen. Hänsel belauschte den Plan und sammelte beim 1. Versuch Kieselsteine, beim 2. Brotkrümel, um den Heimweg wiederzufinden. Der 2. Versuch der Eltern gelang, weil Vögel das Brot aufgepickt hatten.
Die Geschwister verliefen sich immer tiefer in den Wald, bis sie ein Haus, das über und über mit Lebkuchen und Zuckerwerk bedeckt war, erreichten. Sie aßen davon. Eine alte Frau, die Besitzerin der Hütte, kam heraus und erwischte sie dabei. Sie war zunächst freundlich und gab den Kindern Suppe. Sie enthielt ein Schlafkraut. Die Hexe zerrte Hänsel in den Hof und sperrte ihn dort in einen Käfig. Sie mästete ihn, um ihn später zu essen. Gretel beutete sie als Hausmagd aus. Sie bekam gerade genug zu essen, um nicht zu verhungern.
Als die Hexe Gretel befahl, den Ofen anzuheizen, stieß Gretel sie hinein. Die Hexe verbrannte. Sie war sehr reich gewesen und hatte viele Juwelen und auch Geld in einem Schrank versteckt. Diesen Schatz raubten die Geschwister. Sie kehrten nach Hause zum Vater zurück. Ihre Not hatte ein für allemal ein Ende.
Auch von diesem Märchen gibt es etliche Varianten. Morkie lässt Hänsel und Gretel nicht zu Raubmördern werden. Gretel entwendet nach und nach einen Teil des Schatzes der Hexe, den sie als gerechten Lohn für ihre Arbeit betrachtet. Hänsel versteckt Juwelen und Geld in seinem Gewand. Sobald Gretel genug gesammelt hat und Hänsels Schlachttag nicht mehr weit sein kann, nimmt Gretel die Schlüssel der Hexe, sperrt sie im Haus ein, verriegelt die Fenster, lässt Hänsel aus seinem Käfig heraus und geht mit ihm nach Hause.
Wissenswertes
Märchentypus und -verzeichnisnummer
ATU 327A (Hänsel und Gretel / Das Kinderfresser Haus, Hansel and Gretel / The Ogre´s House), KHM 15
Entwicklungsgeschichte des Märchens
Es basiert auf den realen Erfahrungen von häufigen Hungersnöten in Gesamteuropa bis in die Neuzeit. Kinder auszusetzen, war oft die einzige Möglichkeit der Eltern, wenigstens einige von ihnen oder sich selbst zu retten. Dortchen Wild erzählte das Märchen den Brüdern Grimm. Ursprünglich war die leibliche Mutter diejenige, die die Kinder aussetzen wollte. 1840 erfanden die Brüder Grimm die Stiefmutter. In der italienischen Version kommt eine Ente vor, die die Kinder über einen See nach Hause bringt.
Figurenkonstellation und Charakteristika
Gretel: Sie ist ein kleines, weinendes, hilfloses Mädchen, das plan- und ziellos hinter seinem großen Bruder herläuft. Sie wehrt sich zunächst nicht gegen die Hexe, sondern erfüllt gehorsam, ohne zu klagen, alle Aufgaben. Sie spendet dem eingesperrten Bruder Trost. Im entscheidenden Augenblick schreckt sie nicht vor Mord zurück und rettet damit beide. Auch in Morkies abgeschwächter Version entwickelt sie sich in der Not. Sie wird selbständig und aktiv. Sie ist auch diejenige, die die Informationen über den Schatz besitzt.
Hänsel: Er ist der rationale Planer, der sich mit den verbotenen Mitteln des Belauschens und der Täuschung erfolgreich zur Wehr setzt. Gleichzeitig kümmert er sich um seine kleine Schwester und rettet zunächst auch sie.
Hexe und Stiefmutter: Beide sind verschlingende, vernichtende Mutterfiguren.
Symbole und ihre Wirkmacht im Originalmärchen
Ente: Sie symbolisiert die helfende Natur bei der Reintegration.
Lebkuchenhaus: Es steht für die Falle der reinen Triebbefriedigung und die Regression in die vollkommene kindliche Versorgung.
Backofen: Er ist immer ein Symbol der Transformation. Das Verbrennen der Hexe befreit die Kinder nach C. G. Jung von der unbewussten Angst vor der alles verschlingenden oder auf andere Weise vernichtenden bösen Natur des Weiblichen. Dies ist aber nur eine Facette des Weiblich-Mütterlichen. Es gibt auch die nährende, fürsorglich-liebende Mutter Imago.
Wasser: Der See ist genauso wie der Wald die Grenze zwischen der unbewussten, magischen und der bewussten, realen Welt.
Moderne Interpretation: Film
„Gretel & Hänsel“, 2020, ist ein feministischer Coming-of-Age-Horrorfilm. Osgood Perkins führte Regie, Sophia Lillis spielte Gretel. Sie lernt von der Hexe magische Praktiken.
Gestaltung des Klassikers auf der Bühne
„Hänsel und Gretel“, 1893, Engelbert Humperdinck, bis heute führt dieses Standardwerk des Musiktheaters Kinder in die Opernwelt ein.

Inhalt
Die böse Zauberin Gothel, die das Baby Rapunzel von ihrem Vater als Preis für seinen Diebstahl ihrer Rapunzeln verlangt, ist im morkie ganz anders geartet. Sie ist die mächtige, reiche Zauberin Ruwina, die selbst keine Kinder hat und Rapunzel sehr gut behandelt.
Als Rapunzel ein Teenager wird, sperrt sie sie dennoch zu ihrem Schutz, wie sie meint, in einen Turm. Als die Zauberin Rapunzel und Prinz Iwein, die sich in einander verliebt haben, bei der Flucht aus dem Turm erwischt, stößt sie ihn nicht hinab in die Dornenhecke, sondern lässt ihn durch einen Zauberspruch erblinden. Sie gibt ihm auch die Chance, 3 Aufgaben zu bewältigen, um wieder sehen und Rapunzel finden zu können.
Rapunzel kann zaubern, widersetzt sich der Zauberin und ist durch magische Gedankensteine mit dem Prinzen in Fernverbindung. Mittels dieser beiden Märchen-Smartphones unterstützt sie Iwein mit klugen Ratschlägen. Sie muss aber zur Strafe für ihren Verrat in einer Einöde allein leben. Im Originalmärchen gebiert sie dort die Zwillinge des Prinzen. Die Tränen der Wiedersehensfreude heilen die Augen des Prinzen. Das Happy End im morkie sieht anders aus. Lasst euch überraschen.
Wissenswertes
Märchentypus und -verzeichnisnummer
ATU 310 (Das Mädchen im Turm), KHM 12
Entwicklungsgeschichte des Märchens
Das zentrale Motiv des im Turm eingesperrten Mädchens ist aus der griechischen Mythologie, „Danaë“, und der christlichen Legendenbildung, „Heilige Barbara“, bekannt. Darauf beruhend erschien postum Giambattista Basiles „Petrosinella“, zu Deutsch Petersilie. Es wurde 1634 in Neapel veröffentlicht und ist das älteste Rapunzelmärchen Europas. Sie ist listig und aktiv und entflieht mit Hilfe magischer Eicheln. Der Turm ohne Türe stammt von Charlotte-Rose de Caumont de La Force, 1697, in Frankreich. Die Übersetzung von „Petrosinella“ bzw. „Persinette“ in „Rapunzel“ verdanken wir Friedrich Joachim Christoph Schulz, 1790, Deutschland. Diese Version haben die Brüder Grimm 1812 übernommen.
Figurenkonstellation und Charakteristika
Hexe, Frau Gothel: Sie steht hier bei den menschlichen Figuren, weil sie keine klassische, böse Märchenhexe ist. Dies zeigt auch ihr Name, Frau Gothel, der eine alte Bezeichnung für die Patin, die spätere Patentante ist. Sie ist eine überbehütende, besitzergreifende Mutterfigur, die typische Glucke, und leidet unter Kontrollverlustangst und Verleugnung ihres Älterwerdens.
Mutter: Sie ist schwanger, nicht krank. Sie ist gierig und unbeherrscht und verlangt ihrem Mann alles ab.
Prinz: Er ist der typische jugendliche, romantische Held. Er reift durch seine Erblindung und die Bewältigung seiner Aufgaben. Dadurch wird er erwachsen und für Rapunzel ein adäquater Partner.
Rapunzel: Sie ist ein Baby, das von den biologischen Eltern einer sozialen Mutter überantwortet wird. Sie wächst heran und wird zu Beginn der Pubertät in einem Turm von der Außenwelt isoliert. Sie ist in kindlicher Abhängigkeit und Gehorsam aus Angst gefangen, wird aber zunächst in der Pubertät und danach durch die Beziehung zum Prinzen immer selbstständiger.
Vater: Er ist der schwächste in dieser Konstellation. Er kann sich weder gegen die unersättlichen Wünsche seiner Frau noch gegen die vermeintliche Macht der Zauberin durchsetzen und opfert sein Kind.
Symbole und ihre Wirkmacht im Originalmärchen
Schlüsselelemente: eingesperrtes Mädchen, Erblinden, lange Haare
Erblinden: Der Prinz ist für eine Partnerschaft zu unreif, er muss erwachsen werden.
Haare Abschneiden: Es symbolisiert Kastration, Entzug der Macht, Entehrung und Desexualisierung.
Lange Haare: Sie stehen für Lebenskraft, Fruchtbarkeit und Sexualität. Hier sind sie überdies der einzige Weg zu sozialen Kontakten außer dem zur Mutter/Patin/Zauberin.
Rapunzeln: Sie bedeuten unkontrollierbare Gier und Sucht.
Seidentücher: Sie sind Geschenke des Prinzen bei seinen Besuchen. Manche interpretieren sie als Bezahlung für Rapunzels sexuelle Dienste, andere sehen darin ihre Absicht eines selbstbestimmten aktiven Ausbruchs.
Tränen: Sie symbolisieren die emotionale Reinigung, die Reue über den Betrug und die heilende Kraft der Liebe.
Wüste: Prüfung, Entbehrung, spirituelle Reifung
Zauberstab: Er kommt nur in Varianten des Märchens vor und steht für künstliche, manipulative Macht. Im Original der Brüder Grimm agiert die Zauberin mit Wortmacht oder Naturmagie.
Moderne Interpretationen: Film, Fernsehen, Psychologie
„Barbie als Rapunzel“, 2002
„Rapunzel – Neu verföhnt“, 2010, Disney
„Into the Woods“, 2014, Film und Musical
Rapunzel-Syndrom: In der Psychoanalyse, z. B. nach Eugen Drewermann, ist es die Standard-Metapher für die Unfähigkeit von Jugendlichen, sich aus symbiotischen, krankhaften Elternbeziehungen zu lösen. Diese sind durch Kontrollzwang, Angst vor Machtverlust und maternalistische oder paternalistische Ansprüche der Erziehungsberechtigten gekennzeichnet.
Postmoderne Experimente: Literatur und Retellings
„Cinder-Chroniken“, Band 3 „Cress“, Marissa Meyer, Science-Fiction-Variante, Rapunzel ist als Hackerin in einem Weltallsatelliten gefangen.
„The Bloody Chamber“, Angela Carter und viele feministische Autor(inn)en thematisieren in Kurzgeschichten mit dem Rapunzelmotiv das Patriarchat, die Auflehnung gegen sexuelle Unterdrückung und das Recht auf Selbstbestimmung.

Inhalt
Der König glaubt dem prahlenden Müller, dass dessen Tochter aus Stroh Gold spinnen könne. Das Mädchen muss nächtens, in eine Kammer eingesperrt, diese Fähigkeit beweisen. Ein Männchen mit Zauberkräften hilft ihm. Das Männchen bekommt nach der ersten Nacht für seine Dienste die Halskette der Müllerstochter, nach der zweiten ihren Ring, nach der dritten hat die Müllerstochter keinen materiellen, für das Männchen wertvollen Besitz mehr. Sie hatte aber ein Eheversprechen des Königs, wenn sie noch einmal eine Nacht lang Gold spinnen würde.
In ihrer Verzweiflung geht sie auf das Verlangen des Männchens, ihr erstgeborenes Kind zu bekommen, ein. Nach der Geburt des Königskindes fordert das Männchen seinen Lohn. Es gewährt der Königin drei Tage Zeit, um seinen Namen zu erraten. Gelingt ihr das, darf sie ihr Kind behalten. In der dritten Nacht nennt die Königin den richtigen Namen.
Das Rumpelstilzchen zerstört sich aus Wut selbst. In der ersten Version läuft es einfach davon. So ist es auch in Morkies Bearbeitung.
Wissenswertes
Märchentypen und -verzeichnisnummer
ATU 500 (The name of the Helper, Der Name des Unholds), ATU 501 (Die drei alten Spinnerinnen), KHM 55
Entwicklungsgeschichte des Märchens
Es gibt viele Urformen in ganz Europa. Sehr bekannt ist „Tom Tit Tot“ aus England. Die hessischen Variationen, die die Brüder Grimm sammelten, erzählten ihnen Dortchen und Lisette Wild. Anfangs lief das Männchen, nachdem die Königin seinen Namen genannt hatte, einfach davon (1812). Auf diese Version greift Morkie zurück. Die Selbstzerreißung des Männchens führten die Brüder Grimm 1857 ein.
Figurenkonstellation und Charakteristika
Müllerstochter: Sie ist ein passives und gehorsames, sowohl dem Vater als auch dem König und dem magischen Männchen ausgeliefertes, willfähriges Opfer. Nach der Geburt ihres Kindes wird sie zur kämpferischen Löwenmutter.
Müller, König: Beide sind immens gierig, geltungs- und selbstsüchtig. Schamlos benutzen sie ein junges, nach heutigem Verständnis ihrem Schutz befohlenes Mädchen als Ware in ihrem Spiel.
Symbole und ihre Wirkmacht im Originalmärchen
Rumpelstilzchen: Als Kobold, ein ambivalentes Elementarwesen, rettet und fordert es Leben. Es verkörpert den verdrängten Schatten.
Stroh zu Gold: Es wird aus dem Nichts durch Magie großer Reichtum gewonnen. Dies steht für einen naiven Zauberglauben (Alchemie). Diejenige, die dafür ursprünglich nachts schwer arbeiten sollte, erhält nichts davon. Sie darf am Leben bleiben, das ist alles. Die Nutznießer erbringen null Leistung. Das ist Feudalismus- oder frühe Kapitalismuskritik.
Namenskenntnis: Bis heute gibt es Kulturen, in denen der Glaube herrscht, den wahren Namen von jemandem zu kennen, verleihe Macht über die Person, den Namen zu nennen, könne Dämonen bannen.
Moderne Interpretationen: Fernsehen, Psychologie
„Once Upon a Time“, 2011, Fantasy-Serie
„Rumpelstilzchen-Prinzip“: Kommunikationstheorie – das Benennen hebt die Bedrohung auf.








